Tod von Sigmund Jähn: Trauer im sächsischem Geburtsort

Tod von Sigmund Jähn: Trauer im sächsischem Geburtsort

Der DDR-Bürger Sigmund Jähn war der erste Deutsche im All. Jetzt starb der Kosmonaut im Alter von 82 Jahren. Seinem Geburtsort - einem kleinen Dorf im Vogtland - blieb er bis zuletzt verbunden.

Sigmund Jähn auf einem Festumzug in Sachsen

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Kosmonaut Sigmund Jähn auf einem Festumzug zum 20. Tag der Sachsen. Foto: Matthias Henkel/zb

Morgenröthe-Rautenkranz (dpa) - Niedergelegte Blumen, Kerzen und Einträge ins Kondolenzbuch - nach dem Tod von Sigmund Jähn trauert sein Geburtsort Morgenröthe-Rautenkranz im sächsischen Vogtland um den ersten Deutschen im All. «Wir haben einen Freund verloren und sind alle tüchtig mitgenommen», sagte die Leiterin der Deutschen Raumfahrtausstellung, Romy Mothes, am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Dem Museum war Jähn zeitlebens eng verbunden, er arbeitete über viele Jahre im Vorstand des Vereins mit. Auch Politiker und Weggefährten aus der Raumfahrt zeigten sich betrübt.
Der Raumfahrt-Pionier Jähn starb am Samstag im Alter von 82 Jahren in Strausberg bei Berlin. Der Kosmonaut galt in der DDR als Volksheld und genoss große Popularität. Trotz seines Ruhmes blieb er bescheiden und wurde deshalb besonders verehrt. Mit seiner historischen Leistung habe er junge Menschen beflügelt, selbst nach den Sternen zu greifen, so Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Dabei habe Jähn nie die Bodenhaftung verloren. Im Berliner Rathaus wird ein Kondolenzbuch für den Ehrenbürger der Stadt ausgelegt. Dort wird sich am Dienstagvormittag der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) eintragen.
Jähn wurde am 13. Februar 1937 in Morgenröthe-Rautenkranz geboren. Nach der Ausbildung zum Jagdflieger bei den Luftstreitkräften der NVA wurde er von 1976 an in der Sowjetunion mit einem harten Training auf seinen Flug ins All vorbereitet. Am 26. August 1978 startete Jähn mit dem Raumschiff «Sojus 31» vom Raumfahrtzentrum Baikonur aus. Gemeinsam mit dem sowjetischen Kosmonauten Waleri Bykowski (1934-2019) war er 7 Tage, 20 Stunden und 49 Minuten im All. Erst 1983 flog Ulf Merbold aus dem Westen als zweiter Deutscher in den Weltraum.
Noch Mitte September hatte Jähn Gäste durch die Ausstellung in seinem Heimatdorf geführt. Dabei habe er nicht anders gewirkt als bei seinen sonstigen Besuchen, so Romy Mothes von der Deutschen Raumfahrtausstellung. Besucher konnten am Montag in der Ausstellung, die unter anderem Originalraumanzüge und Forschungsgeräte zeigt, Blumen niederlegen und sich in ein Kondolenzbuch eintragen. «Zahlreiche Menschen machten davon Gebrauch, manche kamen extra deswegen zu uns.»
Der Bürgermeister der Gemeinde Muldenhammer, Jürgen Mann, zeigte sich überrascht vom Tod Jähns. «Das kam für uns alle plötzlich. Bei seinem letzten Besuch vor nicht einmal zwei Wochen war er augenscheinlich bei bester Gesundheit, wirkte wie immer fit und vital.» Noch im vergangenen Jahr wurde in Morgenröthe-Rautenkranz das 40-jährige Jubiläum des ersten Raumflugs am 26. August 1978 groß gewürdigt. Auch seinen 80. Geburtstag hatte Jähn mit vielen Wegbegleitern in seinem Ferienhaus im Vogtland gefeiert. «Er war immer einer von uns, zurückhaltend und bescheiden», sagte Mann.
Nach der Wende wurde Jähn arbeitslos. Später arbeitete er für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Europäische Weltraumorganisation (Esa) und betreute europäische Astronauten im russischen Sternenstädtchen. Jähn, der verheiratet war und zwei Töchter hatte, lebte bis zuletzt in Strausberg bei Berlin, blieb seiner sächsischen Heimat aber immer verbunden.
Bundespräsident Frank Walter Steinmeier wandte sich mit einem Kondolenzschreiben an die Witwe Jähns: «Durch seine Leistungen als Wissenschaftler und als Botschafter der Raumfahrt hat Sigmund Jähn einen bedeutenden Beitrag für die Zukunft der Erde und der auf ihr lebenden Menschen geleistet.» Er habe an jenem Tag «vielen Menschen das Gefühl gegeben, zum ersten Mal sei «einer von uns» hinaus ins All geflogen.» Auch die Bundesregierung würdigte den verstorbenen Kosmonauten. Als erster Deutscher im All sei er in Ost und West zum Vorbild für Generationen von Raumfahrern geworden, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer.
Auch Wegbegleiter aus der Raumfahrt drückten ihre Trauer aus. «Die Nachricht vom Tode Sigmund Jähns hat mich tief berührt», sagte Esa-Generaldirektor Jan Wörner. «Wann immer wir uns getroffen haben, war es sehr persönlich, eine Freundschaft war entstanden, die nicht nur die Raumfahrt und seine unermüdliche Unterstützung der europäischen Astronauten betraf.»
Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange sieht in Jähn eine Identifikationsfigur für viele Ostdeutsche. «Viele Ostdeutsche waren stolz, dass der erste Deutsche im All aus ihrem Land kam», sagte die SPD-Politikerin. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) lobte den Beitrag Jähns zur internationalen Zusammenarbeit in der Raumfahrt. «Trotz seiner Popularität suchte er als Wissenschaftler nie das Rampenlicht. Sein Wissen gab er später an die neue Astronautengeneration weiter.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 23. September 2019 16:40 Uhr

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