Nach Schuss aus Vorderlader: Mann auf der Flucht getötet

Nach Schuss aus Vorderlader: Mann auf der Flucht getötet

War es verschmähte Liebe? Ein Mann soll in Westpolen eine 26-Jährige erschossen haben. Kurz darauf stirbt er selbst durch Schüsse.

Polizei

© dpa

Ein Polizeibeamter in Schutzkleidung. Foto: Fredrik von Erichsen/Archivbild

Potsdam/Gorzow (dpa/bb) - Einen Tag nach den tödlichen Schüssen auf einen mutmaßlichen Straftäter aus Polen auf der Autobahn 10 nordöstlich von Berlin versuchen Ermittler in Brandenburg und Polen den genauen Hergang zu rekonstruieren. Nach bisherigen Erkenntnissen erschoss der junge Mann am Mittwoch wohl aus verschmähter Liebe in dem polnischen Stadt Gorzow in einer Wäscherei eine 26 Jahre alte Ukrainerin.
Vorläufige Ermittlungen zu dem Tötungsdelikt in Polen hätten ergeben, dass sich Täter und Opfer kannten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Gorzow. «Es gab wohl einen emotionalen Hintergrund für die Tat.»
Am Freitag werde der Tote in der Gerichtsmedizin Potsdam obduziert, sagte Ricarda Böhme, stellvertretende Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), die die Ermittlungen übernommen hat. Das Ergebnis dauere in der Regel. Ursprünglich wollten Vertreter der polnischen Staatsanwaltschaft an der Obduktion teilnehmen. Das sei aber abgesagt worden, sagte Böhme.
Bei der Tatwaffe handele es sich um eine Vorderladerpistole, die sich der Mann in einem Laden besorgt habe. Diese Nachbauten historischer Handfeuerwaffen sind in Polen frei verkäuflich. Ob der Täter aus der Waffe einen oder mehrere Schüsse abgegeben habe, sei noch Gegenstand der Ermittlungen, hieß es.
Die Obduktion der toten Frau habe gezeigt, dass sie durch einen Schuss in den Kopf starb. Die Frage, warum der Mann nach der Tat Richtung Deutschland gefahren sei, sei noch nicht geklärt. Ob der Täter zuvor der Polizei bekannt war, konnte der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht sagen. Gorzow liegt etwa 80 Kilometer nordwestlich von Frankfurt (Oder).
Nach Angaben der polnischen Staatsanwaltschaft war der Mann 26 Jahre alt. Wie das Internetportal des Senders TVN24 unter Berufung auf eine Sprecherin des Bezirksgerichts in Gorzow am Donnerstag berichtete, hat der Täter sein späteres Opfer schon Monate vor der Tat massiv bedrängt. Demnach kannten sich die beiden schon länger und waren zwischenzeitlich auch ein Paar. Nach einigen Monaten habe die Frau die Beziehung abgebrochen. Anfang September habe das Bezirksgericht Gorzow dem Mann eine Geldstrafe in Höhe von 500 Zloty (115 Euro) auferlegt, weil er die junge Frau in sozialen Netzwerken belästigt habe, sagte die Gerichtssprecherin.
In Brandenburg liefen am Donnerstag noch die Ermittlungen, um die Identität des Mannes zweifelsfrei festzustellen. Kriminaltechniker seien am Tatort nach Angaben von Böhme bis etwa 3.00 Uhr in der Nacht im Einsatz gewesen. Die Waffen seien untersucht worden und 3-D-Videografiken angefertigt worden, um das Geschehen rekonstruieren zu können. Der Wagen des Mannes wurde beschlagnahmt.
Am Mittwochnachmittag hatten Beamte an der Autobahnanschlussstelle Hellersdorf einen zur Fahndung ausgeschriebenen roten Mazda mit polnischem Kennzeichen gestoppt. Der Fahrer, der allein in dem Wagen saß, soll mit einer Waffe «herumgefuchtelt» und auf die Beamten gezielt haben, wie Polizeisprecher Torsten Herbst am Mittwochabend sagte.
Trotz mehrfacher Aufforderung habe er die Waffe nicht weggelegt. Beide Beamte haben laut Polizei daraufhin mehrfach auf den Mann geschossen und ihn tödlich verletzt. Der Mann feuerte nach bisherigen Erkenntnissen keine Schüsse ab.
Die Polizisten setzten ihre Waffen «absolut rechtmäßig» ein, wie Herbst betonte. Die beiden Polizisten wurden bereits am Donnerstag nach ihrer ersten Aussage psychologisch betreut, wie Herbst sagte. Demnach sind sie vorerst vom Dienst freigestellt.
Im vergangenen Jahr erschossen Polizisten in Deutschland elf Menschen, wie aus Zahlen der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster hervorgeht. Für 2017 hatte die Hochschule noch 14 Fälle von tödlichem Schusswaffengebrauch gezählt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 12. September 2019 17:00 Uhr

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