Unfalltod von ägyptischer Studentin vor Gericht verhandelt

Unfalltod von ägyptischer Studentin vor Gericht verhandelt

Im April 2017 wurde eine ägyptische Studentin in Cottbus von einem damals 20-Jährigen angefahren. Weil das Unfallopfer rassistisch beleidigt worden sein soll, sorgte der Fall international für Aufsehen. Nun hat der Prozess gegen den Autofahrer begonnen.

Illustration Gericht

© dpa

Eine modellhafte Nachbildung der Justitia steht neben einem Holzhammer und einem Aktenstapel. Foto: Volker Hartmann/Archiv

Cottbus (dpa/bb) - Der Unfalltod einer ägyptischen Studentin in Cottbus am Karfreitag 2017 sorgte auch international für Schlagzeilen: Nach angeblichen rassistischen Beschimpfungen gegen das Opfer noch am Tatort soll die Heimatuniversität der Gaststudentin anderen ägyptischen Studenten empfohlen haben, ihren Wohnort von Cottbus weg zu verlegen. Das hatte der rbb berichtet. Am Donnerstag begann vor dem Cottbuser Amtsgericht nun der Prozess gegen einen 22-jährigen Autofahrer aus Dresden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung vor. Er soll in den frühen Morgenstunden des 15. April 2017 einen Unfall verursacht haben, bei dem die 22 Jahre alte Fußgängerin so schwer verletzt wurde, dass sie kurze Zeit später starb.
Laut Anklage soll der Autofahrer mit etwa Tempo 50 unterwegs gewesen sein, als er die Frau an der Straßenbahnhaltestelle am Stadthallenvorplatz erfasste. Über seinen Anwalt ließ der Angeklagte zu Prozessbeginn mitteilen, er habe das Unfallauto zwar gefahren, bezweifle aber, mit 50 Kilometer pro Stunde unterwegs gewesen zu sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Tod der Frau vermeidbar gewesen wäre, hätte der Angeklagte sich an das Tempolimit 30 gehalten. Der 22-jährige Angeklagte wirkte während des Prozessauftaktes eher unbeteiligt, sein Anwalt nahezu provokativ.
Zeugen schilderten dem Gericht übereinstimmend, dass das Fahrzeug vor dem Zusammenprall hörbar beschleunigt habe und es auf der Straße freie Sicht gab. Insgesamt waren 19 Zeugen zum Auftakt geladen. Auch Sachverständige, unter anderem von der Dekra, wurden gehört.
Zum Prozessauftakt waren auch die Familie der Toten, und Freunde aus Ägypten angereist. Die Mutter der ums Leben gekommenen jungen Frau wischte sich immer wieder aufkommende Tränen ab, wirkte ansonsten aber gefasst.
Die Staatsanwaltschaft hatte auch gegen einen Beifahrer des angeklagten Autofahrers wegen des Verdachts der Volksverhetzung und Beleidigung ermittelt: Er soll die verletzte Ägypterin am Unfallort mit fremdenfeindlichen Parolen beschimpft haben. Das Verfahren wurde eingestellt. Zur Begründung hatte der Leitende Oberstaatsanwalt in Cottbus, Bernhard Brocher, gesagt, es sei überhaupt nicht erwiesen, dass ausländerfeindliche und volksverhetzende Parolen gefallen seien.
Für den Prozess hatte das Gericht zunächst zwei Verhandlungstage angesetzt. Nun gibt es Fortsetzungstermine am 17. Oktober und 7. November jeweils um 10 Uhr.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 12. September 2019 15:50 Uhr

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