Prozessauftakt nach Tod durch Stichverletzung

Prozessauftakt nach Tod durch Stichverletzung

Ein Streit endete für einen der Beteiligten tödlich. Zwei Brüder müssen sich dafür vor Gericht verantworten. Worum es eigentlich ging, blieb zum Prozessauftakt unklar.

Justitia

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Justitia. Foto: David-Wolfgang Ebener/Archivbild

Frankfurt (Oder) (dpa/bb) – Ein einziger Messerstich in den Oberschenkel hatte einen 21-jährigen Berliner im Februar vergangenen Jahres am S-Bahnhof Röntgental in Zepernick (Barnim) getötet. Wegen Totschlags an dem Mann sitzen seit Donnerstag zwei 29 und 30 Jahre alte Brüder auf der Anklagebank des Landgerichtes Frankfurt (Oder).
Der Ältere soll den Ermittlungen zufolge am Abend des 28. Februar 2018 vor dem Bahnhof mit dem späteren Opfer und dessen Begleiter einen Streit angefangen haben. Als die vom Angeklagten Beschimpften aggressiver wurden, hatte der 30-Jährige laut Anklage telefonisch seinen jüngeren Bruder zu Hilfe geholt. Als dieser dann auftauchte, sollen der 21-Jährige und sein Begleiter geflüchtet sein. Die beiden Brüder folgten laut Anklage und brachten das spätere Opfer zu Fall. Einer von ihnen soll dem am Boden liegenden Mann dann ein Messer zehn Zentimeter tief in den rechten Oberschenkel gerammt und dabei eine Schlagader durchtrennt haben.
Danach waren die beiden deutschen Angeklagten geflüchtet. Der schwer verletzte 21-Jährige, ebenfalls ein Deutscher, hatte sich laut Anklage noch in einen Dönerladen am S-Bahnhof Röntgental geschleppt, war dort jedoch trotz schneller ärztlicher Hilfe verblutet. Die beiden Angeklagten waren erst im Dezember vergangenen Jahres ermittelt und verhaftet worden. Sie hatten nach der Tat angeblich nie wieder über den Vorfall gesprochen. Seit ihrer Festnahme sitzen sie in Untersuchungshaft.
Zum Prozessauftakt am Donnerstag hatte sich der 30-jährige Angeklagte nicht zu den Tatvorwürfen äußern wollen. Sein ein Jahr jüngerer Bruder gab an, dass ihm leid tue «was da passiert», sei. Er bestätigte vor Gericht, dass ihn sein Bruder am Tattag zur Hilfe gerufen und er das spätere Opfer dann verfolgt habe. Aufgrund der Beleidigungen wollte er es zur Rede stellen. Er habe den 21-Jährigen am Boden sitzenden Mann am Kragen gepackt, als er plötzlich von hinten einen Stoß bekam und sich danach seine Hose am Bein feucht anfühlte. Der Angeklagte gab an, dass er befürchtete, selbst verletzt worden zu sein. Erst zu Hause habe er bemerkt, dass das Blut an seiner Hose nicht von ihm selbst stammte. Ein Messer will er nicht dabei gehabt und auch bei seinem Bruder nicht gesehen haben, gab der 29-Jährige an, der auf Nachfragen des Gerichts etliche Gedächtnislücken offenbarte.
Beide Brüder seien anschließend davon gerannt und hätten erst aus dem Internet erfahren, dass das Opfer gestorben war, sagte der 29-Jährige weiter aus. Über den tödlichen Streit hätten sie nie wieder gesprochen, versicherte er dem Gericht. Der Prozess wird am 11. September mit den ersten Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Den Angeklagten drohen im Falle einer Verurteilung Freiheitsstrafen zwischen fünf und 15 Jahren. 

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 5. September 2019 16:10 Uhr

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