SPD holt auf: Woidke sieht Chance auf Wahlerfolg

SPD holt auf: Woidke sieht Chance auf Wahlerfolg

So spannend war es lange nicht: Die SPD legt vor der Wahl in Brandenburg in Umfragen eine Aufholjagd hin, doch die AfD ist gleichauf oder knapp dahinter.

Stimmzettel zur Landtagswahl

© dpa

Auf einem Tisch liegt der Stimmzettel der Briefwahl zur Landtagswahl in Brandenburg. Foto: Patrick Pleul

Potsdam (dpa/bb) - Knapp eine Woche vor der Landtagswahl in Brandenburg hat die SPD in neuen Umfragen in der Wählergunst zugelegt und liegt vorn oder gleichauf mit der AfD. Danach ist das Rennen offen, weil SPD und AfD so dicht beieinander liegen. Die CDU ist beiden um wenige Prozentpunkte auf den Fersen. Rund zwei Millionen Menschen in Brandenburg sind am 1. September zur Wahl aufgerufen.
Im ZDF-«Politbarometer» vom Freitag wurde die SPD mit 21 Prozent erstmals seit längerem wieder in einer Umfrage stärkste Partei, die AfD folgte mit 20 Prozent. Die CDU erreichte 18 Prozent, Linke und Grüne lagen bei je 14 Prozent. Die FDP kam auf 5 Prozent, die Freien Wähler wurden von 4 Prozent genannt. 44 Prozent sagten allerdings, ihre Wahlentscheidung sei nicht sicher.
Damit wäre mindestens ein Dreier-Bündnis möglich, je nachdem, ob FDP und Freie Wähler in den Landtag kommen. Mit der AfD wollen die anderen Parteien nicht koalieren. Die SPD und die Linken setzen auf Rot-Rot-Grün, die Grünen können sich aber auch ein Bündnis mit der CDU vorstellen. CDU-Landeschef Ingo Senftleben schließt eine Koalition mit der Linken nicht aus, strebt sie aber nicht an.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) führt in der Beliebtheitsfrage als Regierungschef mit 48 Prozent gegen Senftleben mit 23 Prozent. Im Vergleich zu AfD-Landeschef Andreas Kalbitz fällt das Votum klarer aus mit 61 Prozent für Woidke zu 8 Prozent für Kalbitz. SPD wie CDU werden beiden die höchsten Kompetenzen für Infrastruktur und Arbeitsplätze zugebilligt - in gleicher Höhe, bei Bildung liegt die SPD vor der CDU, bei Ausländern ebenfalls, knapp dahinter kommt bei diesem Thema aber die AfD.
55 Prozent nennen es gut, wenn die SPD an der Regierung beteiligt wäre, das sagen 48 Prozent für die Grünen und 46 Prozent für die CDU. Die drei Parteien liegen eng beieinander. Dass die Linke an der Regierung beteiligt wäre, fänden 38 Prozent gut, bei der FDP sind es 32 Prozent, bei der AfD nur 16 Prozent. Das ZDF hat keine jüngeren Vergleichszahlen.
Im «Brandenburg-Trend» der ARD vom Donnerstag lag die SPD gleichauf mit der AfD bei 22 Prozent - das war für die Sozialdemokraten ein ungewöhnlich hohes Plus von vier Punkten und für die AfD von einem Punkt im Vergleich zur Juni-Umfrage. Die CDU kam auf 18 Prozent vor der Linken mit 15 Prozent bei jeweils einem Punkt mehr als Juni, die Grünen brachen um fünf Punkte auf 12 Prozent ein. Die FDP erreichte 5 Prozent, die Freien Wähler lagen bei 4 Prozent.
Trotz der SPD-Zugewinne wollen nur 30 Prozent der Befragten, dass die Partei weiter die Regierung führt, das sind 26 Punkte weniger als im September 2014. 59 Prozent der Befragten wollen, dass eine andere Partei die Regierung führt, das ist ein Plus von 22 Punkten.
Auch hiernach wäre ein Dreier-Bündnis wahrscheinlich. Wenn FDP und Freie Wähler in den Landtag einziehen, könnten vier Parteien für ein Bündnis notwendig werden.
Woidke sieht für seine Partei die Chance auf einen Wahlerfolg. «Ich bin fest davon überzeugt, dass wir es schaffen können, stärkste Kraft in diesem Land zu werden», sagte der SPD-Spitzenkandidat dem Bayerischen Rundfunk. «Wahlkampf lohnt sich.» CDU-Landeschef Ingo Senftleben sagte: «Klar, ich würde mir mehr wünschen.» Es bleibe aber ein enges Rennen. «Der Politikwechsel in Brandenburg ist weiterhin möglich.» Grünen-Spitzenkandidat Benjamin Raschke sieht die Umfrageergebnisse als Ansporn und sieht eine gute Ausgangslage. «Nur mit uns gibt es einen wirklichen Wechsel», sagte er.
Der Leipziger Politikwissenschaftler Hendrik Träger führt die besseren Werte auch für die SPD in Brandenburg auf einen «Amtsinhaberbonus» zurück. «Das ist ein zyklischer Effekt», sagte Träger der Deutschen Presse-Agentur. Im Laufe der Legislaturperiode seien Zustimmungswerte für den Amtsinhaber nicht immer ganz so rosig, wie man sich das selbst vorstelle. Gegen Ende der Legislatur dächten die Wähler offenbar intensiver über Politik nach und wägten genauer ab.
Der Geschäftsführer von Infratest dimap, Nico Siegel, analysierte, je näher der Wahltermin rücke, desto eher würden sich Wähler damit beschäftigen, ob sie das Kreuz tatsächlich bei der AfD setzen wollen.
Eins steht schon fest: Der Anteil der Briefwähler ist gestiegen. Bis 15. August gingen laut Landeswahlleiter rund 205 000 Briefe zur Landtagswahl ein, vor fünf Jahren waren es sechs Tage vor der Wahl nur 192 670.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 23. August 2019 16:10 Uhr

Weitere Meldungen