«Inakzeptabel»: Kritik an Medienausschluss bei FC Energie

«Inakzeptabel»: Kritik an Medienausschluss bei FC Energie

Ärger um Energie Cottbus: Die Mitglieder des Regionalligisten sprechen sich bei ihrer Versammlung dafür aus, dass Journalisten eines bestimmten Mediums das Treffen verlassen müssen. Dafür gibt es reichlich Kritik.

Eingang zum «Stadion der Freundschaft»

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Der Eingang zum «Stadion der Freundschaft» des 1. FC Energie Cottbus. Foto: Patrick Pleul/Archivbild

Cottbus (dpa/bb) - Fußball-Regionalligist FC Energie Cottbus bekommt für den Ausschluss von Teilen der Medien bei seiner Mitgliederversammlung deutliche Kritik. Mitglieder des Drittliga-Absteigers hatten sich beim Treffen am Freitagabend in einer Abstimmung dafür ausgesprochen, dass Berichterstatter des Rundfunks Berlin-Brandenburg das Stadion der Freundschaft verlassen mussten. Reporter der regional ansässigen «Lausitzer Rundschau» schlossen sich solidarisch an und verließen ebenfalls die Versammlung.
Der Vorstand der Landespressekonferenz Brandenburg protestierte in einer Stellungnahme gegen den Ausschluss. «Zwar ist es jedem Verein freigestellt, ob er eine Mitgliederversammlung öffentlich oder nicht-öffentlich durchführt», hieß es in der schriftlichen Mitteilung am Samstag. «Ein Ausschluss einzelner Kollegen von der Berichterstattung ist aber inakzeptabel und ein Eingriff in die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung. Gerade ein Sportverein, der durchaus auch von öffentlichen Mitteln profitiert, sollte die grundgesetzlich garantierten Aufgaben der Presse respektieren.»
Energie verwies am Samstag darauf, dass die Mitgliederversammlung eine «nicht öffentliche Veranstaltung» sei und gemäß Vereinssatzung über die Zulassung von Gästen entscheide. «Die entsprechende Abstimmung über die Zulassung von Gästen wurde, wie in der Tagesordnung vorgesehen, durch die Versammlungsleitung durchgeführt», sagte Präsident Werner Fahle in einer Vereinsmitteilung. «Hierbei fiel das Votum gegenüber den anwesenden Vertretern des RBB mit großer Mehrheit ablehnend aus.» Die Vereinsverantwortlichen hätten kein Problem mit der Anwesenheit der Journalisten gehabt. Das Votum der Mitglieder sei bindend gewesen, sagte Fahle.
Auch die «Lausitzer Rundschau» bewertete das Vorgehen des Vereins negativ. «So zu selektieren ist unüblich und unprofessionell. Die kleinkarierte Abstimmung ist eines angesehenen Clubs unwürdig», kommentierte Oliver Haustein-Teßmer, Chefredakteur der «Lausitzer Rundschau». «Etwas anderes wäre es, wenn alle Medienvertreter zeitweise oder ganz nach draußen gebeten worden wären. Dann müssten es Journalisten respektieren, dass der Verein nicht öffentlich diskutieren möchte.» So seien aber «die Regeln des Anstands gegenüber der Öffentlichkeit» gravierend verletzt worden.
Neben Vizemeister Borussia Dortmund will auch Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Union Berlin die Lausitzer mit einem Freundschaftsspiel unterstützen. «Wir sind von Cottbus angeschrieben worden, wollen ein Retterspiel machen, so wie zuletzt in Erfurt», sagte Oliver Ruhnert, Geschäftsführer Profifußball, der «Bild» und «B.Z.» (Samstag). Die Berliner waren vergangene Saison beim Viertligisten FC Rot-Weiß Erfurt angetreten. Die Termine für die beiden Partien von Cottbus gegen die prominente Konkurrenz sind noch offen. Der Abstieg aus der 3. Liga in die Regionalliga Nordost trifft den Club finanziell.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 15. Juni 2019 17:00 Uhr

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