Elsig: Deutschland ist beim Frauenfußball hinterher

Elsig: Deutschland ist beim Frauenfußball hinterher

Potsdam (dpa/bb) – Fußball-Nationalspielerin Johanna Elsig hat die in Deutschland mediale Abgeschiedenheit des Frauenfußballs beklagt. «Deutschland ist da hinterher», monierte die Verteidigerin von Bundesligist Turbine Potsdam im Interview des Internet-Portals «t-online.de». «In England oder Spanien wird immer mehr gemacht für den Fußball, in Spanien kamen zum Ligaspiel zwischen Atlético und Barcelona mehr als 60 000 Zuschauer ins Stadion.» Die zwölfmalige Nationalspielerin steht im Kader der WM, die vom 7. Juni bis zum 7. Juli in Frankreich stattfindet.

Johanna Elsig

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Johanna Elsig, Fußball-Nationalspielerin und Verteidigerin bei Turbine Potsdam. Foto: Sven Hoppe/Archivbild

Das Frauen-Nationalteam selbst hatte durch ein freches Video für mediale Aufmerksamkeit gesorgt. In dem Spot unter dem Motto «Wir brauchen keine Eier - wir haben Pferdeschwänze» machen die Spielerinnen auf die WM aufmerksam und räumen selbstironisch mit Vorurteilen auf. Elsig hält den Spot für sehr gelungen, «weil das angesprochen wird, was viele als Vorurteil im Fußball sehen und der Spot gezeigt hat, dass Fußballspielen nichts mit dem Geschlecht zu tun hat – sondern mit Können. Das Video bringt eine Botschaft rüber, die zum Denken bzw. zum Umdenken anregt, sich auch mehr Frauenfußball anzuschauen.»
Laut Elsig würde eine bessere Vermarktung die Besucheranzahl in den Stadien erhöhen: «Schauen wir uns nur mal die Anstoßzeiten an: Wenn wir ein Spiel an einem Dienstag um 16 Uhr haben, dann ist es selbsterklärend, dass nicht viele Menschen ins Stadion kommen – geschweige denn, sich die Partie im Fernsehen angucken können.»
Die 26-Jährige fordert auch von den einzelnen Vereinen mehr Engagement, die Sportart aus der Nische zu heben. «Jeder Klub muss gezielt ansprechendere Werbung machen, um den Menschen zu zeigen: Frauenfußball kann genauso gut sein wie Männerfußball. Der einzige Unterschied ist die physische Komponente. Aber in der Leichtathletik sagt auch keiner: 'Die Frauen rennen langsamer als die Männer'. Nur da fällt es eben nicht so auf.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 6. Juni 2019 13:00 Uhr

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