Bogenjagd auf Wildschweine: Vorerst nicht in Brandenburg

Bogenjagd auf Wildschweine: Vorerst nicht in Brandenburg

Es war in Deutschland ein mit Spannung erwartetes Projekt: die Bogenjagd auf Wildschweine, die Ortschaften heimsuchen. Diese Ausnahmegenehmigung kommt nun aber nicht zustande.

Ein Wildschwein

© dpa

Ein Wildschwein ist zu sehen. Foto: Fredrik von Erichsen/Archivbild

Potsdam (dpa/bb) - Der mögliche Start einer Jagd mit Pfeil und Bogen auf Wildschweine in Brandenburg ist von der rot-roten Landesregierung vorerst gestoppt worden. Die wichtigste Voraussetzung für die Genehmigung dieses Pilotprojekts fehle - die Begleitung durch eine wissenschaftliche Einrichtung, teilte das Landwirtschaftsministerium am Mittwoch in Potsdam mit. Dazu habe es zwar vorher bereits Kontakte zu Interessenten gegeben. Aber: «Die notwendige Ausschreibung, die in dieser Woche abgeschlossen wurde, hat kein zuschlagfähiges Ergebnis gebracht.» Das heißt: Niemand meldete sich offiziell. Nach bisheriger Planung sollte die Jagd voraussichtlich in diesem Monat in Stahnsdorf und Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) beginnen können.
Die beiden Gemeinden leiden seit Jahren unter einer Wildschweinplage. In Stahnsdorf hatten innerhalb eines Jahres etwa 70 Tiere den Ort heimgesucht und Schäden angerichtet. In Deutschland ist die Bogenjagd verboten. Es gibt aber die Möglichkeit, dass ein Jagdpächter eine Ausnahmegenehmigung bei der Obersten Jagdbehörde beantragt. Das wäre laut Ministerium ein in Deutschland bisher einmaliges Vorgehen. Deshalb war geplant, das Projekt wissenschaftlich zu begleiten.
In Deutschland gebe es anders als in anderen EU-Staaten bisher keine eigenen Erfahrungen mit der Bogenjagd. Eine wissenschaftliche Einrichtung sollte daher zum Beispiel Fragen des Tierschutzes, der Gefährdungssituation und der öffentlichen Akzeptanz unter die Lupe nehmen.
Nun bietet die Oberste Jagdbehörde Stahnsdorf und Kleinmachnow dem Ministerium zufolge weiter Unterstützung an, um die Probleme mit den großen Wildschweinrotten in den Griff zu bekommen. Experten der Wildökologischen Forschungsstelle Eberswalde wollten mit örtlichen Jägern und Kommunalpolitikern prüfen, wie die seit Jahren wachsende Wildschweinpopulation im Bereich von Siedlungen wirksamer reduziert werden kann. Dabei soll auch darüber diskutiert werden, Jagdwaffen mit modifizierter Munition und Schalldämpfer einzusetzen.
Der Stahnsdorfer Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger) forderte, alternative Jagdmethoden zu prüfen. «Hierzu ist beispielsweise an die Aufhebung des Verbots des Einsatzes von Nachtsichtgeräten, ähnlichen technischen Assistenzsystemen, modifizierter Munition und Schalldämpfern zu denken», teilte er mit. Nach einem Telefonat mit Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) sagte Albers, es bleibe unklar, ob die Bogenjagd auf Wildschweine tierschutzgerecht sei oder nicht.
Der Deutsche Jagdverband sieht die Bogenjagd als Methode kritisch. Er hätte aber ein wissenschaftliches Projekt zum Thema begrüßt. Um Wildschweine in Siedlungen zu dezimieren, müsste aus Sicht des Jägerverbands vor allem ein Fütterungsverbot durchgesetzt werden. Befürworter der Bogenjagd sagen, dass die Zahl der Wildschweine mit Gewehren nicht genug verringert werden könne. Zudem halten sie die Bogenjagd in Ortschaften für weniger gefährlich als den Einsatz von Schusswaffen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 5. Juni 2019 17:30 Uhr

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