Gedämpfter Pokaljubel bei Energie: Wollitz mit Zweifeln

Gedämpfter Pokaljubel bei Energie: Wollitz mit Zweifeln

Nach dem Abstieg aus der 3. Liga glückt Energie Cottbus zumindest noch der Sieg im Brandenburger Landespokal. In den Jubel mischen sich aber auch viele Tränen. «Stand jetzt» sieht Coach Wollitz den Wiederaufstieg als «utopisch» an.

Claus-Dieter Wollitz

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Claus-Dieter Wollitz, Trainer des FC Energie Cottbus. Foto: Patrick Pleul

Rathenow (dpa/bb) – Die Freude von Energie Cottbus über den dritten Brandenburger Landespokal-Sieg in Serie fiel wie erwartet gedämpft aus. Nach dem 1:0-Erfolg am Samstag bei Optik Rathenow mischten sich in den Jubel auch viele Tränen bei Spielern und Fans. Durch den Abstieg aus der 3. Fußball-Liga droht der Zerfall der Mannschaft, die Trainer Claus-Dieter Wollitz in den vergangenen drei Jahren aufgebaut hat. «Alle kämpfen mit den Emotionen, alle kämpfen mit den Tränen und der Enttäuschung, auch ich», sagte Wollitz. «Wir alle wissen, dass es mit diesem Spiel in dieser Zusammensetzung vorbei sein kann.»
Torjäger Streli Mamba, der in der 53. Minute den Siegtreffer erzielte, wechselt zu Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn. Marcelo de Freitas wird die Lausitz ebenfalls verlassen. Andere Leistungsträger wie Fabio Viteritti und Kevin Weidlich verabschiedeten sich am Samstag in Rathenow unter Tränen von den Fans.
Trotz der Einnahmen in sechsstelliger Höhe für den Einzug in die 1. DFB-Pokalrunde bleiben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Neuaufbau ungewiss. Ein Budget von zwei bis 2,5 Millionen wünscht sich Wollitz von der Vereinsführung, um einen Kader mit der Perspektive Wiederaufstieg zusammenstellen zu können. Doch davon ist der Klub dem Vernehmen nach aber noch weit entfernt. «Der Pokalsieg ist eine Erleichterung, er wird aber nicht die grundlegenden Probleme lösen, Stand jetzt ist ein Wiederaufstieg utopisch», sagte der Coach.
Mit nunmehr neun Pokalerfolgen in Brandenburg ziehen die Lausitzer mit dem bisherigen Rekordsieger SV Babelsberg 03 gleich. Während Energie Cottbus wegen eines einzigen Tores aus der 3. Liga absteigen musste, durfte Optik Rathenow trotz des sportlichen Abstieges doch noch über den Regionalliga-Verbleib jubeln, weil Oberlausitz Neugersdorf freiwillig in die Oberliga geht.
Die Heim-Niederlage vor 1991 Zuschauern im Pokalfinale konnte Optik-Trainer Ingo Kahlisch deshalb verschmerzen. «Ich bin nicht enttäuscht. Aus meiner Sicht hatten wir die besseren Chancen. Körperlich sind wir derzeit einfach nicht besser, weil wir nur eingeschränkt trainieren können», analysierte Kahlisch, der seit mittlerweile fast 30 Jahren bei Optik Rathenow ist.
Angesichts der guten und friedlichen Stimmung auf der Sportanlage Am Vogelsang in Rathenow verteidigte Kahlisch noch einmal das Festhalten an diesem Heimspiel trotz zwischenzeitlicher Sicherheitsbedenken. «Wir machen den Pokal-Gedanken kaputt, wenn wir im Olympiastadion oder in Babelsberg gespielt hätten», betonte die Trainer-Legende. Auch Jens Kaden als Präsident des Fußball-Landesverbandes zog ein positives Fazit: «Es war ein Fußballspiel, das von der Spannung gelebt hat. Und das uns erfreut hat, auch was das Fanverhalten betrifft.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 26. Mai 2019 13:10 Uhr

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