Netz für mehr Bürgerengagement in Brandenburg

Netz für mehr Bürgerengagement in Brandenburg

Brandenburg will mehr ehrenamtliches Bürgerengagement fördern. Die in allen Kommunen geplanten Stützpunkte sollen auch Politikern helfen, Probleme zu erkennen.

Brandenburg stärkt Bürgerengagement flächendeckend

© dpa

Jugendliche halten vor einem Fußball-Bundesligaspiel ein Banner mit der Aufschrift «Ehrenamt» in den Händen. Foto: Patrick Seeger/Archiv

Potsdam (dpa/bb) - Ob als Betreuer in Sportvereinen oder Seniorenheimen, Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr, Wahlhelfer oder Schöffe in Gerichtsverfahren - ehrenamtliches Engagement ist in vielen Bereichen der Gesellschaft unverzichtbar. Nach Angaben der Landesregierung engagiert sich jeder dritte Brandenburger freiwillig. Um noch mehr Menschen für den bürgerlichen Einsatz zu gewinnen, will das Land in den kommenden Jahren Anreize und Hilfen erweitern, wie die Staatskanzlei in Potsdam auf eine Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion mitteilte.
Ziel sei es, in allen Landkreisen und kreisfreien Städten sogenannte Engagement-Stützpunkte zu errichten. Damit soll das Ehrenamt auch in ländlichen Regionen gefördert werden, in denen es bislang nur wenige Anlaufstellen gibt. Hilfe erhalten die neuen Einrichtungen von der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (Lagfa), die seit 2007 besteht und der aktuell 21 Mitglieder angehören. Zu den Trägern gehören die Caritas, die Diakonie, der Paritätische Wohlfahrtsverband, die Volkssolidarität, Stiftungen und Vereine.
Die neuen Einrichtungen können auch auf Erfahrungen des 2013 bei der Staatskanzlei gegründeten Landesnetzwerkes für bürgerliches Engagement und Anerkennungskultur zurückgreifen. Dem Netzwerk gehören rund 60 Organisationen und Institutionen an, darunter der Brandenburger Landtag, Sozial- und Wohlfahrtsverbände, Vereine, Stiftungen, Unternehmen, Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften und Kirchen.
Finanziert werden die künftigen Stützpunkte von Kommunen und Land. Der Landesanteil je Einrichtung beträgt in den Haushaltsjahren 2019/2020 jeweils maximal 50 000 Euro. Noch in diesem Jahr sollen die ersten beiden neuen Stützpunkte in der Uckermark und in Frankfurt (Oder) starten. Vier weitere sollen im kommenden Jahr folgen.
Die bei den Kommunen angesiedelten neuen Stellen sollen laut Staatskanzlei auch «Sprachrohr» des lokalen Ehrenamtes sein und die Kreis- und Landespolitik auf Probleme hinweisen. Ziel sei es, die Zusammenarbeit zwischen lokaler Zivilgesellschaft und Politik sowie Verwaltung zu stärken.
Um den ehrenamtlichen Helfern mehr unter die Arme zu greifen, werden sie von einem Teil ihrer Kosten entlastet. Künftig können sie eine pauschale Aufwandsentschädigung für Fahrten von 100 Euro pro Jahr beantragen. Für Stützpunkte und Mobilitätszuschuss stehen im Haushalt 2019/2020 insgesamt 1,13 Millionen Euro bereit.
Vorgesehen sind laut Staatskanzlei auch Weiterbildungen für bürgerliches Engagement. Als Bestätigung für ihre gesellschaftliche Arbeit können die Helfer die Ehrenamtskarte Berlin-Brandenburg erhalten, die ihnen rund 230 Vergünstigungen in beiden Ländern bietet. Dazu gehören Rabatte bei Buchverlagen, Museums- und Theaterbesuchen, Sportveranstaltungen, in Restaurants, Reiterhöfen und öffentlichen Einrichtungen wie Bäder und Schlösser.
Vorbild für die künftigen Engagement-Stützpunkte ist den Angaben zufolge die «Koordinierungsstelle für Freiwilligenarbeit und Bürgerengagement» im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Sie existiert bereits seit 15 Jahren. Wie diese Einrichtung sollen auch die Stützpunkte in der Uckermark und Frankfurt (Oder) in diesem Jahr Mittel für jeweils eine Personalstelle erhalten.
Auch die Lagfa erhält mit dem Haushalt 2019/2020 Gelder für eine Geschäftsstelle. Ein Beirat soll sie künftig beraten. Träger der Lagfa-Geschäftsstelle wird nach bisherigen Planungen die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal. Aus Lottomitteln soll die Lagfa in diesem Jahr eine landesweite Infrastruktur für die Freiwilligenagenturen mit Hilfe der Datenbank Freinet aufbauen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 5. Mai 2019 11:00 Uhr

Weitere Meldungen