Mediziner sollen auch in Cottbus ausgebildet werden

Mediziner sollen auch in Cottbus ausgebildet werden

Die Brandenburger Landesregierung will Mediziner auch in Cottbus ausbilden lassen und damit nicht nur der Lausitz helfen. Das stößt aber auch auf Kritik.

Arzt

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Ein Arzt hält ein Stethoskop in der Hand. Foto: Patrick Seeger/Archiv

Cottbus (dpa/bb) - Mediziner sollen nach Plänen der Brandenburger Landesregierung künftig auch in Cottbus ausgebildet werden. Die Ausbildung solle in das Konzept Gesundheitscampus Brandenburg eingebettet sein, teilte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Donnerstag mit. Dazu gehörten die Trägerhochschulen Universität Potsdam, die Brandenburgische-Technische Universität (BTU) und die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) in Brandenburg/Havel und Neuruppin. Eine solche Medizinerausbildung wäre laut Woidke ein weiterer starker Impuls für die Lausitz. Mehrere Medien hatten zuvor darüber berichtet. Dort hieß es, auch eine medizinische Fakultät an der BTU sei im Gespräch.
Die genaue Zuordnung für die Medizinerausbildung sei noch nicht entschieden, teilte Woidke mit. Das Land sei außerdem noch in verschiedenen Abstimmungsgesprächen, insbesondere mit dem Bund wegen der Finanzierung. Es solle Teil des 18 Milliarden Euro umfassenden Gesamtpakets für die gesamte Lausitz durch den Ausstieg aus der Braunkohle sein. Das Land sieht in dem Projekt am Standort Cottbus auch eine Chance, den Ärztemangel in den ostdeutschen Bundesländern zu bekämpfen.
Das Bekanntwerden der Pläne führte zu neuem Zwist innerhalb der rot-roten Koalition. Linksfraktionschef Ralf Christoffers kritisierte, dass das Vorhaben auf diese Weise öffentlich wurde. «Das ist schlicht und ergreifend unprofessionell», sagte Christoffers am Donnerstag in Potsdam. Er forderte, dass die betroffenen Parteien, Fraktionen und den Landtagsausschuss vorher darüber informiert werden. «Das ist natürlich eine Änderung in der Hochschullandschaft, die spürbare Wirkung haben wird.» Christoffers schlug auch vor, dass der Lausitz-Beauftragte des Ministerpräsidenten, Klaus Freytag, zu einem Staatssekretär gemacht wird.
Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) zeigte sich erfreut über die Pläne der Landesregierung. Eine Entscheidung für Cottbus sei wegweisend für zukünftige wissenschaftliche, technische und weitere unternehmerische Ansiedlungen in der Region. Er hoffe, so Kelch, dass das Land die Verhandlungen mit dem Bund zur Finanzierung erfolgreich abschließen werde. Der Neuruppiner Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke warnte aber davor, dass dies auf Kosten der MHB gehen könne.
Das Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus hält die Pläne durchaus für realistisch. «Unser Haus ist für diese Aufgabe sehr gut aufgestellt und könnte das auch stemmen», sagte Geschäftsführer Götz Brodermann. Eine medizinische Hochschule würde die Region stärken, da von mindestens 1000 neuen Arbeitsplätzen auszugehen sei. Das Klinikum ist mit etwa 2500 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Cottbus.
Der Gesundheitscampus am BTU-Standort Senftenberg, der seit 2016 besteht, hat nach Angaben der Universität bereits ein Netzwerk aus Kliniken eingebunden. Der Campus sei geschaffen worden, um einen Beitrag zur Verbesserung der medizinischen Versorgung für das Flächenland Brandenburg leisten, sagte eine Sprecherin. Für Lehrkräfte, darunter fünf Professuren für die BTU, stelle das Land mehrere Millionen Euro jährlich bereit.
Die rot-rote Landesregierung plant außerdem, dass das Wissenschaftsministerium von Potsdam nach Cottbus ziehen soll. Das war auch innerhalb der SPD auf Kritik gestoßen. Der Linksfraktionschef kritisierte am Donnerstag, dass die Personalvertretungen nicht ausreichend vorher informiert worden seien. Wenn sie kurz vorher Bescheid bekämen, «dann ist das schwierig». Der Linke-Politiker betonte aber auch: «Ich halte es für richtig und möglich, dass Institutionen und Behörden des Landes auch auf andere Teile des Landes verteilt werden und auch umziehen können.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 25. April 2019 16:40 Uhr

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