Wald-Ökologe: Waldentwicklung braucht Geduld

Wald-Ökologe: Waldentwicklung braucht Geduld

Wie soll der Wald der Zukunft aussehen? Auf jeden Fall weniger Kiefern und dafür viele Laubbaumarten. Das geht aber nicht von heute auf morgen. Der Waldumbau dauert Jahrzehnte. Und in der Zwischenzeit ändert sich auch das Klima.

Wald in Treuenbrietzen

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Deutlich sichtbar sind verbrannte und noch grüne Kiefern eines Waldes nahe der Bundesstraße 102 in Treuenbrietzen. Foto: Archivbild

Eberswalde (dpa/bb) - Die zunehmende Zahl von Waldbränden bietet aus Sicht eines Waldexperten eine Chance für den Umbau der von Kiefern geprägten Wälder Brandenburgs. «Der Wald der Zukunft ist hoffentlich ein Laubmischwald», sagte der Naturwissenschaftler Pierre Ibisch von der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung der Deutschen Presse-Agentur. Der Klimawandel mache aber konkrete Vorhersagen unmöglich, welche Baumarten künftig eine führende Rolle spielen würden.
Strukturreiche Laubwälder brennen Ibisch zufolge auf jeden Fall nicht so schnell und trocknen nicht so stark aus wie reine Nadelwälder. «Es ist schon klar, dass die Kiefer als «Brotbaum» der Waldwirtschaft für Industrie und Waldbesitzer attraktiv bleibt, aber die großflächigen Monokulturen werden mittelfristig scheitern», sagte er.
Derzeit wird Ibisch zufolge in Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) auf einem 28 Hektar großen Areal eine neue Art des Umgangs mit Waldbrandflächen untersucht. Im Stadtwald und auf angrenzenden Flächen hatte es vergangenen Sommer einen verheerenden Waldbrand gegeben. Einen Teil des Stadtwalds hat die Stadt nun der Hochschule zur Verfügung gestellt.
Quasi in einem Freilandlabor beobachten Wissenschaftler nun, wie sich das Waldstück nach einem Feuer entwickelt. «Verkohlte Bäume brechen um, bleiben liegen und vergehen. Sie verbessern dann den Zustand des Bodens», sagte er. Der Natur müsse aber für diese Prozesse Zeit gelassen werden, sich selbst zu heilen und zu erneuern. Es soll auch untersucht werden, mit welchen Maßnahmen der Walderneuerung schonend auf die Sprünge geholfen werden könne. In jedem Falle werde es Jahrzehnte dauern.
Wenn nach Waldbränden großflächig sämtliche Bäume beräumt würden und auf dem kahlen Boden ungeduldig Neuanpflanzungen wieder mit Kiefern geschehe - wie nun auch bei Treuenbrietzen zu beobachten - sei dies ziemlich problematisch, sagte Ibisch. Er warnte davor, übereilt erneut strukturarme und waldbrandgefährdete Plantagen anzulegen.
Die abgestorbene Biomasse sei eine Investition in die Zukunft. Sie unterstütze die Bildung von Böden sowie die Wasserspeicherung und kühle. Und nichts sei jetzt wichtiger als Wasser und Kühlung. Das reduziere die Brandanfälligkeit und ermögliche neues Baumwachstum, erklärte Ibisch.
In Brandenburg gibt es 1,1 Millionen Hektar Wald. Fast drei von vier Bäumen - 72 Prozent - sind laut dem letztem Waldzustandsbericht Kiefern, dann folgen mit 12 Prozent Eichen, den Rest teilen sich Buchen und andere. Kiefern finden auf den sehr sandigen Böden, «märkische Streusandbüchse» genannt, ausreichende Wachstumsbedingungen. 84 000 Hektar Wald sind bereits zu Mischwäldern umgebaut worden.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 24. April 2019 08:10 Uhr

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