Klage gegen hohe Wohngebühren für Asylbewerber erhoben

Klage gegen hohe Wohngebühren für Asylbewerber erhoben

Asylbewerber müssen in Brandenburg teils hohe Gebühren für Gemeinschaftsunterkünfte zahlen, wenn sie ein Einkommen haben. Dagegen zieht ein Potsdamer Anwalt vor das Oberverwaltungsgericht.

Oberverwaltungsgericht

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Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Foto: Soeren Stache/Archiv

Potsdam (dpa/bb) - Ein Potsdamer Rechtsanwalt hat beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg Normenkontrollklage gegen Gebühren erhoben, die Asylbewerber mit einem festen Einkommen für die Nutzung von Gemeinschaftsunterkünften zahlen müssen. Konkret gehe es um die Gebühren im Landkreis Oberhavel und in Potsdam, sagte Rechtsanwalt Falko Drescher am Dienstag der Deutschen-Presse-Agentur. Das Normenkontrollverfahren sei noch in Bearbeitung, bestätigte eine Sprecherin des Gerichts. Der Zeitrahmen wurde nicht genannt.
«Im Landkreis Oberhavel soll mein Mandant 473,94 Euro im Monat für die Unterkunft in einem Mehrbettzimmer zahlen», erläuterte der Anwalt. «Da ihm dort bis zu neun Quadratmeter zustehen, wäre das ein Quadratmeterpreis von gut 50 Euro.» Solch ein Mietpreis sei deutlich überhöht, wie bereits obere Gerichte in anderen Bundesländern geurteilt hätten, so Drescher. Der Mandant verdiene als Reinigungskraft nur rund 1000 Euro im Monat.
Der Sprecher des Sozialministeriums, Gabriel Hesse, bestätigte, dass die Landkreise bei Asylbewerbern mit Arbeitseinkommen oder Vermögen für die Nutzung von Gemeinschaftsunterkünften Gebühren erheben dürfen. Dabei könnten alle Nebenkosten außer dem Wachdienst und Integrationsarbeit einbezogen werden.
Im Landkreis Oberhavel müssten derzeit 185 der 1016 Bewohner von Gemeinschaftsunterkünften Gebühren bezahlen, bestätigte die Sprecherin der Kreisverwaltung, Constanze Gatzke. Deren Höhe richte sich nach der Dauer des Aufenthalts und der Höhe des Einkommens und reiche von maximal 288,43 Euro in der Gebührenstufe 1 bis maximal 473,94 Euro in der Gebührenstufe 2. Zahlen müssten nur Asylbewerber mit Einkommen, deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen seien, erläuterte Gatzke. Diese Asylbewerber können keine eigenen Wohnungen mieten und werden in die Heime eingewiesen.
Die anerkannten Flüchtlinge müssen sich dagegen eine eigene Wohnung suchen und ausziehen. «Um Obdachlosigkeit zu vermeiden, werden diese Personen durch Betreuer und Sozialarbeiter des Landkreises Oberhavel bei ihrer Wohnungssuche unterstützt», so die Sprecherin. «Bis zum Auszug stellt der Landkreis Oberhavel den Platz kostenfrei zur Verfügung.»
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Ursula Nonnemacher begrüßte am Abend die rechtliche Überprüfung der Wohngebühren: «500 Euro pro Monat und Person für die Unterbringung in einem Mehrbettzimmer zu berappen, erscheint mir weder angemessen noch dauerhaft leistbar und bestimmt nicht integrationsförderlich.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 23. April 2019 21:10 Uhr

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