Kiesabbau in Altenau: Debatte um Sandhalde neu entflammt

Kiesabbau in Altenau: Debatte um Sandhalde neu entflammt

Die Region um Mühlberg im Süden Brandenburgs gilt als eines der größten Kiesabbaugebiete Europas. Die Bagger fressen sich immer weiter in die Landschaft. Viele Einwohner befürchten bleibende Eingriffe in die Natur.

Mühlberg (dpa/bb) - Eine 24 Meter hohe Sandhalde sorgt seit Jahren für Unruhe unter den Einwohnern des Elbe-Elster-Dorfs Altenau. Bürger und Ortsvorstand des Ortsteils der Stadt Mühlberg fordern den Rückbau der als Nebenprodukt der Kiesförderung entstandenen Halde. Sie übertrifft die von den Behörden erlaubte Höhe um neun Meter. Bei stärkerem Wind weht von der Halde Sandstaub herab. Die Altenauer befürchten, dass die Halde mit einem neuen Rahmenbetriebsplan auf Dauer erhalten bleiben könnte. Ein Rückbau ist zwar bisher angestrebt, der Zeitplan aber unklar.
Das Landesbergamt prüft nach Angaben des Wirtschaftsministeriums mehrmals im Jahr, ob alle Auflagen und Bestimmungen aus dem Betriebsplan eingehalten werden. Das Abbauunternehmen habe beantragt, den Kiestagebau zu erweitern. In dem Verfahren dazu werde nun festgelegt, ob die Sandhalde bleiben könne oder zurückgebaut werden müsse, erklärte das Ministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der fraktionslosen Landtagsabgeordneten Iris Schülzke. Auch werde geprüft, ob weitere Bestimmungen und Auflagen der bisherigen Betriebsgenehmigung für den Kiesabbau noch notwendig seien oder geändert werden müssten.
Schülzke wollte mit der Anfrage erfahren, weshalb die Behörden seit Jahren tolerieren, dass die erlaubte Höhe der Sandhalde überschritten wird.
Zu den vor mehr als zehn Jahren erteilten Auflagen zum Kiesabbau gehörten umfangreiche Renaturierungen, die aus Sicht der Bürgerinitiative «Für eine Heimat mit Zukunft» und des Altenauer Ortsbeirats bisher nur unzureichend umgesetzt sind. Dass es anders gehen könne, zeigt Schülzke am Beispiel des Kiesabbaus eines anderen Unternehmens in Mühlberg. «Dort wird auf Teilflächen rekultiviert», sagte sie. Auf drei Hektar solle Wald aufgepflanzt werden, an einer stillgelegten Abbaufläche gebe es sogar eine Badestelle.
Die gelernte Diplom-Technologin befürchtet, dass mit dem beantragten neuen Rahmenbetriebsplan für den Kiesabbau in Altenau Fakten über die Köpfe der Bürger getroffen werden könnten. Die Einwohner der Gemeinde lehnten den Kiesabbau nicht ab, sagte Schülzke. «Sie sind aber dagegen, dass die Bodenschätze immer schneller abgebaut werden und die Rekultivierung nicht auf dem Fuße folgt.»
Dabei hat sie Vorgänge aus der Zeit kurz nach 1990 in der Stadt Schlieben (Elbe-Elster) vor Augen, in der sie von 1992 bis 2014 Amtsdirektorin war. Im Ortsteil Jagsal wurde damals ebenfalls Kies abgebaut. «Die Gemeinde hat gefordert, dass die Landschaft nach dem Abbau der Bodenschätze rekultiviert werden muss - doch das Unternehmen hat kaum etwas dafür getan.» Als es Insolvenz anmeldete, sei es zu spät gewesen. «So etwas darf sich in Altenau nicht wiederholen», forderte die Abgeordnete.
Nach Ansicht des Vereins «Für eine Heimat mit Zukunft» könnte die Halde längst Schritt für Schritt abgebaut werden. «Der Sand könnte für die Wiederherstellung von landwirtschaftlichen Flächen wieder eingespült werden, ohne die Kiesgewinnung zu beeinträchtigen», sagte die Vereinsvorsitzende Sigrid Käseberg. Doch nicht alle Einwohner Altenaus stehen hinter ihrem Vorgaben. Einige Bürger wollen die Sandhalde als Landmarke erhalten - auch mit dem Hinweis, dort sei mittlerweile ein wertvolles Biotop entstanden.
Aus Sicht der Bürgerinitiative ist die Sandhalde in Altenau nur eines der Probleme der Kiesgewinnung rund um Mühlberg, wo seit 1968 bereits mehr als 500 Hektar Land abgegraben worden sind. Insgesamt bestehen derzeit Abbaugenehmigungen für eine Fläche von rund 2100 Hektar. Dabei werde wertvoller Ackerboden abgeräumt, der Grundwasserspiegel in mehreren Dörfern sinke und es komme immer wieder zu Lärmbelästigungen durch nächtlichen Kiesabbau und den Lkw-Verkehr tagsüber, kritisierte die Vereinschefin. «Viele Bürger der Region haben den Eindruck, dass ihre Interessen und die der kommenden Generationen von den Behörden geringer vertreten werden als die der Kiesunternehmen.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 22. April 2019 13:50 Uhr

Weitere Meldungen