Ausstellung zeigt Reste von DDR-«Propagandaschau»

Ausstellung zeigt Reste von DDR-«Propagandaschau»

Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls holt eine Ausstellung in Potsdam die DDR zurück in die Gegenwart. Sie zeigt eine Schau der DDR, die sich zu ihrem 40. Geburtstag in Szene setzt.

Potsdam (dpa) - Die letzten Tage der DDR werden im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam noch einmal lebendig. Anlässlich des Jubiläums 30 Jahre Mauerfall in diesem Jahr sind dort 40 alte Holzplatten ausgestellt, die im Juni 1989 zu einer 12 000 Quadratmeter großen Berlin-Schau in Moskau gehört haben, sagte Ausstellungsleiter Andreas Wernicke am Donnerstag. Mitarbeiter des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte fanden die Überreste 2016 in einem Museumsdepot im Oderbruch.
Die Tafeln zeigen Abbildungen von Ost-Berlin, wie der Magistrat und die SED-Bezirksleitung sie darstellten: makellose Neubauten, Kinder, die auf Spielplätzen tollen, Teenager, die vor Statuen von Marx und Engels die Sonne genießen. Der Magistrat und die SED-Bezirksleitung hätten keine Kosten und Mühen gescheut, um die Stadt in Moskau von ihrer schönsten Seite zu zeigen, sagte der Ausstellungsleiter. Insgesamt seien 1850 Tafeln für die Geburtstagsschau eingesetzt worden.
Über 600 Menschen seien in Moskau mit der Ausstellung beschäftigt gewesen, berichtete Wernicke. Viele Handwerker seien aus Stadtbaubetrieben vom ländlichen Raum abgezogen worden, um Messestände in Moskau aufzustellen. Eine originalgetreu nachgebaute Drei-Zimmer-Neubauwohnung sollte den russischen Besuchern zeigen, wie man in Ost-Berlin wohnte. Bockwürste und unzählige Liter Freibier seien über den Tisch gegangen. Sie fügten sich nahtlos ein in die Fotografien von feiernden Ost-Berlinern auf den Holzplatten.
Ergänzt wird die Präsentation der Tafeln von Originaldokumenten der Ausstellung «Suchet der Stadt Bestes» zur Historie der Potsdamer Altstadt. Diese Schau wurde 1989 von den Bürgerrechtlern Michael Heinroth und Michael Zajonz organisiert und fand wenige Wochen vor dem Mauerfall statt. Die mit einfachsten Mitteln hergestellte Präsentation soll etwa 10 000 Besucher angelockt haben. Sie trug nach Angaben von Heinroth und Zajonz vom Donnerstag maßgeblich dazu bei, dass der Abriss der Potsdamer Altstadt gestoppt wurde. Die Schau öffnet an diesem Freitag und läuft bis zum 23. Juni.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 11. April 2019 16:10 Uhr

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