Mehrheit für Masern-Impfpflicht in Kitas

Mehrheit für Masern-Impfpflicht in Kitas

Nachdem Bundesgesundheitsminister Spahn eine Debatte über eine Impfpflicht gegen Masern losgetreten hat, setzt die CDU das Thema im Landtag auf die Tagesordnung. Dort zeichnet sich eine breite Mehrheit für diese Impfpflicht ab.

Masern-Impfung

© dpa

Die Aufschrift «Masern» steht auf einem Impfpass.

Mit einem fraktionsübergreifenden Antrag wollen sich die rot-roten Regierungsfraktionen und die oppositionelle CDU im Landtag für eine bundesweite Impfpflicht gegen Masern einsetzen. Die Koalitionsfraktionen hätten sich einem entsprechenden Antrag der CDU angeschlossen, sagten SPD-Fraktionschef Mike Bischoff und Linke-Fraktionschef Ralf Christoffers am Dienstag. Damit soll am Freitag im Landtagsplenum eine entsprechende Initiative Brandenburgs im Bundesrat angestoßen werden. Welcher Personenkreis einer solchen Pflicht konkret unterworfen werden soll, ist zunächst noch offen.
Die Zahl der Masern-Erkrankungen in der EU sei von knapp 5300 im Jahr 2016 auf knapp 24 000 im Folgejahr und mehr als 41 000 im Jahr 2018 gestiegen, sagte Bischoff. Daher müsse man der Ausbreitung dieser Krankheit klar entgegengetreten. «Jeder kann selbstverständlich selbst entscheiden, was mit seinem Körper geschieht», sagte Bischoff mit Blick auf die Gegner der Impfpflicht. «Wenn er aber andere gefährdet, werden wir darüber diskutieren müssen.»
Nach dem Antrag soll die Landesregierung auch dafür sorgen, dass bis zur Einführung einer Bundesregelung die Impfung in Brandenburg eine verpflichtende Voraussetzung für den Besuch einer Kita oder Tagespflege-Einrichtung wird. Darüber hinaus soll die Pflicht zur Impfung gegen weitere Infektionskrankheiten geprüft werden.
Im Kreis Potsdam-Mittelmark waren vor kurzem an drei Schulen und einer Kindertagesstätte Kinder zeitweise vom Besuch der Einrichtungen ausgeschlossen worden, weil sie nicht gegen Windpocken geimpft sind. In allen vier Einrichtungen war der Impfschutz der Kinder überprüft worden, weil dort Windpocken aufgetreten waren.
Der fraktionsübergreifende Antrag verweist darauf, dass nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Brandenburg nur 73,5 Prozent der Kleinkinder bis zwei Jahren gegen Masern geimpft sind. Grünen-Fraktionschefin Ursula Nonnemacher erklärte dagegen, dass das Landesgesundheitsamt für diese Altersgruppe eine Impfquote von 95 Prozent genannt habe. «Diese widersprüchlichen Zahlen müssen zunächst geklärt werden», sagte sie.
Grundsätzlich sei sie für die Durchsetzung einer hohen Impfquote, betonte Nonnemacher. Doch bei Erwachsenen sei eine Impfpflicht schwer durchsetzbar und könne bei den Impf-Gegnern für größeren Widerstand sorgen, mahnte sie. Daher wollen sich die Grünen bei der Abstimmung über den Antrag enthalten.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 9. April 2019 16:46 Uhr

Weitere Meldungen