S-Bahn ist noch nicht so pünktlich wie sie sein sollte

S-Bahn ist noch nicht so pünktlich wie sie sein sollte

Bei der S-Bahn steigen die Fahrgastzahlen stärker als gedacht. Auf Brandenburger Gebiet sei aber noch Platz in den Zügen, heißt es im Unternehmen. Luft nach oben gibt es auch in anderen Bereichen.

Berlin S-Bahn

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Eine Zug der Linie S41 der Berliner S-Bahn. Foto: Gregor Fischer/Archiv

Berlin (dpa/bb) - Die Berliner S-Bahn lässt ihre Fahrgäste noch immer häufig warten. Jeder zwanzigste Zug fuhr vier oder mehr Minuten zu spät, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Darunter wertet die S-Bahn Züge als pünktlich. Damit stieg zwar die Pünktlichkeitsquote von 94,3 Prozent im Vorjahr auf 95 Prozent. Das selbst gesteckte Ziel von 96 Prozent wurde aber verfehlt. Dieses Jahr lagen die Züge bislang aber darüber, wie S-Bahn-Chef Peter Buchner betonte. «Basis für mehr Fahrgäste ist die Pünktlichkeit und die Zuverlässigkeit.» Das kürzlich vorgestellte Qualitätsprogramm bringe erste Ergebnisse.
Gewachsen sind unterdessen die Fahrgastzahlen. Die erste umfassende Zählung seit sechs Jahren ergab 478 Millionen Kundenfahrten im Jahr 2018. Das waren 21 Prozent mehr als 2012. Wesentlicher Grund dafür seien der Zuzug nach Berlin und die wachsende Zahl der Erwerbstätigen.
Man habe die Fahrgastzahlen in den vergangenen Jahren unterschätzt, sagte Buchner. Die Züge fuhren auch nicht entsprechend häufiger; das Angebot wuchs seit 2012 um zwölf Prozent. Besonders auf dem östlichen Teil der Ost-West-Strecke Stadtbahn und des Rings wird es demnach voller in den Zügen. Am meisten los ist an den Bahnhöfen Ostkreuz und Friedrichstraße.
Ende 2015 hat die S-Bahn 106 neue Züge bei einem Konsortium aus Stadler und Siemens bestellt. Sie sollen von 2021 an auf dem Ring fahren. Der Zeitplan sei realistisch, aber angespannt, sagte Buchner. Die Züge würden komplett neu entwickelt, manches dauere länger als gedacht, etwa die Stromabnehmer. Wird der Zeitplan nicht gehalten, würden sowohl für die Hersteller als auch für die S-Bahn Strafzahlungen fällig. «Das tut beiden auch finanziell weh, aber es ist erst mal eine Frage der Ehre», sagte Buchner.
1,5 Millionen Fahrgäste nutzen an Werktagen die Berliner S-Bahn, 200 000 davon in Brandenburg, wie die Zählung ergab. Dafür wurden das ganze Jahr über Stichproben genommen. «Aus Brandenburg nach Berlin haben wir noch Platz in der S-Bahn für Umsteiger», sagte Buchner. Im Umland nutzen demnach besonders Fahrgäste aus Bernau, Königs Wusterhausen und Oranienburg lieber Regionalzüge. Mit der S-Bahn fahren die Kunden im Schnitt knapp zehn Kilometer.
«Das große Wachstum findet im Zentrum statt», betonte der S-Bahnchef. Er forderte, dass die Länder dies bei ihren Verkehrsplänen bis 2030 berücksichtigen. Hilfreich seien etwa zusätzliche Bahnsteige auf dem Ring, mehr Signale und Abstellgleise.
Die S-Bahn überweist in diesem Jahr deutlich weniger Gewinn an den Mutterkonzern Deutsche Bahn. Der Überschuss sank 2018 auf 49,3 Millionen Euro, das waren 29 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umsatz sank um 4,5 Prozent auf 746,5 Millionen Euro.
«Wir konnten den Ländern mit den Bestandswagen deutlich günstigere Preise machen», erklärte Buchner. Zugleich stiegen aber die Ausgaben für Personal und Instandhaltung. Für dieses Jahr erwartet Buchner, dass bei leicht steigendem Umsatz der Gewinn nochmals deutlich zurückgeht.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 2. April 2019 16:30 Uhr

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