Studie zu Bevölkerungsverhalten bei NS-Todesmärschen

Studie zu Bevölkerungsverhalten bei NS-Todesmärschen

Wie haben sich Deutsche 1944 und 1945 verhalten, wenn die SS Tausende Häftlinge aus Konzentrationslagern durch das Land getrieben hat? Dieses Verhalten hat der Historiker Martin Clemens Winter erstmals genauer untersucht und stellt seine Studie heute in der Gedenkstätte «Todesmarsch» im Belower Wald bei Wittstock (Ostprignitz-Ruppen) vor. Sie trägt den Titel «Gewalt und Erinnerung im ländlichen Raum. Die deutsche Bevölkerung und die Todesmärsche». Die SS hatte im Zweiten Weltkrieg nahezu 100 Konzentrationslager oder KZ-Außenlager vor der heranrückenden Front geräumt und die Häftlinge wegzubringen versucht, wobei Hunderte starben oder getötet wurden.

Gedenkstätte im Belower Wald

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Die Gedenkstätte «Todesmarsch» im Belower Wald, aufgenommen am 21.04.2017. Foto: Bernd Wüstneck/Archiv

Dazu gehörten im April 1945 auch Konzentrationslager in Ravensbrück und Sachsenhausen mit Außenlagern in Mecklenburg, von wo aus die Märsche nach Nordwesten gingen. Der Belower Wald, wo Brandenburg an Mecklenburg grenzt, war ein Knotenpunkt. Dort lagerten im April 1945 bis zu 16 000 Häftlinge, die sich von Pflanzen und Rinde ernähren mussten, woran Zeichen an den Bäumen und eine Freiluftausstellung erinnern. Auch hier starben Hunderte. An die Zeit erinnern in Nordbrandenburg und Südmecklenburg Denkmäler in vielen Dörfern. Die Überlebenden wurden Anfang Mai 1945 befreit - unter anderem in Raben-Steinfeld bei Schwerin.
Winter hat in seinem etwa 500 Seiten starken Buch auch die juristische Ahndung von Verbrechen auf diesen Märschen durch deutsche und alliierte Behörden, die spätere Suche nach Opfern sowie unterschiedliche Formen der Erinnerung im Osten und im Westen Deutschlands analysiert.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 17. März 2019 02:20 Uhr

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