Erdgassuche in Nordbrandenburg: Anwohner und BUND besorgt

Erdgassuche in Nordbrandenburg: Anwohner und BUND besorgt

Seit Mitte Januar wird im Norden Brandenburgs nach Erdgas gesucht. Offen ist, ob dort auch gefördert werden soll. Anwohner und der BUND Brandenburg sind bereits jetzt besorgt und prüfen eine Klage.

Zehdenick (dpa/bb) - Gegen eine mögliche Erdgasförderung bei Zehdenick im Landkreis Oberhavel macht eine Bürgerinitiative mit einer Petition beim brandenburgischen Landtag mobil. «Wir prüfen das Anliegen», sagte Parlamentssprecher Mark Weber am Dienstag auf Nachfrage. Bevor sich der Petitionsausschuss mit dem Thema beschäftigt, wolle man die Stellungnahme des Wirtschaftsministeriums abwarten.
Seit Mitte Januar laufen zwischen Zehdenick und Templin (Uckermark) Erdgas-Erkundungen einer niederländischen Firma. Bis September will das Unternehmen die Ergebnisse der Suche auswerten. Anschließend werde entschieden, ob eine Genehmigung zur Förderung beantragt werde, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Auf der Unternehmens-Homepage heißt es, eine Beeinträchtigung der Bevölkerung durch ausströmendes Erdgas oder andere Gase sei ausgeschlossen. Das geförderte Gas werde in einem geschlossenen, überwachten Rohrsystem transportiert und verarbeitet.
Die Bürgerinitiative «Gegen Gasbohrung Zehdenick/Templin» ist jedoch in Sorge über mögliche negative Auswirkungen der Erdgasförderung auf Mensch, Tier und Umwelt. Mit der Petition wollen die Anwohner erreichen, dass das Land die Gasförderungen ablehnt. Auch der Tourismus könne leiden, fürchten die Anwohner. «Wenn da auf einmal Fördertürme auftauchen und giftige Gase austreten, ist das neben den gesundheitlichen Folgen auch denkbar schlecht für den Tourismus», sagte Irene Hummel von der Arbeitsgemeinschaft Templin der Bürgerinitiative.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Brandenburg teilt die Besorgnis der Initiative. Neben dem Austritt von Erdgas und Chemikalien könnten die Förderungen zu langfristigen Schäden für die Umwelt führen, wie BUND-Sprecher Axel Kruschat sagte. Derzeit prüfe die Organisation gemeinsam mit einem Rechtsanwalt eine mögliche Klage gegen das Vorhaben - auch, wenn das Unternehmen selbst noch nicht über die Förderungen entschieden hat. «Das Bergrecht ist ein ziemlich starkes Recht und sticht alle anderen Interessen aus», sagte Kruschat. Das sehe man beim Braunkohleabbau, bei dem ganze Siedlungen versetzt wurden.
Nach Angaben des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) ist man derzeit von einer Förderung noch «sehr weit entfernt», wie Thomas Höding, Dezernatsleiter Tiefengeologie beim LBGR betonte. «Davor liegen eine Menge von Zwischenschritten, bei denen auch wieder die Träger Öffentlicher Belange beteiligt werden.» Derzeit wird laut LBGR in Brandenburg auch noch in Lübben (Dahme-Spreewald) nach Erdgas gesucht.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 12. März 2019 20:10 Uhr

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