Weniger Unfallfluchten in Brandenburg

Weniger Unfallfluchten in Brandenburg

Ob Spiegelklatscher oder Schramme beim Ausparken - bei zahlreichen Verkehrsunfällen entfernen sich in Brandenburg Verursacher vom Ort des Geschehens. Doch 2018 ist die Zahl der Verkehrsunfallfluchten im Land seit Jahren wieder rückläufig.

Polizei

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Ein Polizeifahrzeug mit Blaulicht auf dem Dach. Foto: Rolf Vennenbernd/Archiv

Potsdam (dpa/bb) - In Brandenburg ist die Zahl der Unfallfluchten erstmals seit Jahren zurückgegangen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Laut dem Potsdamer Polizeipräsidium gab es 2018 landesweit 17 635 Verkehrsunfälle, bei denen sich die Verursacher unerlaubt vom Unfallort entfernten - rund 600 weniger als im Vorjahr.
«In den Vorjahren war dieser Trend umgekehrt», berichtete Präsidiumssprecher Mario Heinemann. So seien die Zahlen zwischen 2014 und 2017 von 15 888 auf 17 965 gestiegen. Zu Verletzten oder getöteten Beteiligten sei es im vergangenen Jahr in den wenigsten Fällen gekommen. «95 Prozent der Verkehrsunfallfluchten waren Unfälle mit Sachschäden wie der sogenannte 'Spiegelklatscher'», sagte der Sprecher.
Doch manchmal gibt es auch andere Fälle: Ein tragisches Beispiel war ein Verkehrsunfall im August 2018 im Kreis Dahme-Spreewald, wie Heinemann berichtet. Dort war zwischen Kreblitz und Kassel-Golzig ein Kleintransporter mit einem Radfahrer zusammengestoßen - der Radfahrer wurde getötet. «Der Fahrer der Unfallfahrzeugs verließ den Unfallort unerlaubt und stellte sich am Tag darauf der Polizei», sagte der Präsidiumssprecher.
Obwohl Verkehrsunfallflucht mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer hohen Geldstrafe geahndet werden kann, entfernte sich 2018 jeder fünfte Verursacher unerlaubt vom Unfallort. Werden Menschen verletzt, kommt es dann auch auf die Hilfe Unbeteiligter. Die halten sich manchmal aus Sorge um ihre Kenntnisse in «Erster Hilfe» jedoch zurück.
Zwar sei die Teilnehmerzahl an Erste-Hilfe-Kursen im Land mit rund 50 000 pro Jahr relativ stabil, berichtet das Deutsche Rote Kreuz (DRK). «Es gibt aber nur wenige Teilnehmer, die einen Kurs aus eigenen Beweggründen heraus absolvieren», sagte Iris Möker, Sprecherin des DRK-Landesverbands. Auffrischungskurse seien deshalb seltener gefragt.
«Es gibt aber durchaus Fälle, in denen auch gut ausgebildete Ersthelfer nicht helfen», berichtete Möker. Gerade wenn viele potenzielle Helfer vor Ort seien, traue sich der Einzelne mitunter nicht, aktiv zu werden. «Aber selbst ohne fundierte Erste-Hilfe-Kenntnisse kann man Hilfe leisten», sagte die DRK-Sprecherin. So könne man einen Notruf absetzen, Verletzte betreuen und trösten oder Wunden versorgen.
Für die Polizei gestalten sich die Ermittlungen bei unterlassener Hilfeleistung oder Unfallflucht ohne Zeugen oft schwierig, weil es selten eine Täter-Opfer-Beziehung gebe, sagte Heinemann. «Dennoch kann etwa jede dritte Verkehrsunfallflucht aufgeklärt werden.»
Für die geschädigten Verkehrsteilnehmer, bei denen der Unfallverursacher nicht ermittelt werden kann, gibt es den Verein Verkehrsopferhilfe. Er wirkt als Garantiefonds, wenn weder die eigene noch die gegnerische Versicherung zahlt. Beteiligt daran sind die deutschen Kfz-Haftpflichtversicherer. Bundesweit seien so im vergangenen Jahr 126 Schadensfälle bei Fahrerflucht reguliert worden, berichtet Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mitteilte.
Allerdings hilft der Fonds Betroffenen in nicht allen Fällen. Um Missbrauch zu vermeiden, würden bei Fahrerfluchten Sachschäden nur dann erstattet, «wenn gleichzeitig ein beträchtlicher Personenschaden entstanden ist», sagte Jarosch.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 9. März 2019 09:20 Uhr

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