Früherer V-Mann «Piatto» erneut im NSU-Ausschuss: Lücken

Früherer V-Mann «Piatto» erneut im NSU-Ausschuss: Lücken

Der frühere V-Mann «Piatto» soll im Potsdamer NSU-Ausschuss weitere Fragen zur Arbeit des Verfassungsschutzes vor 20 Jahren beantworten - doch Erinnerungslücken prägen die Vernehmung.

NSU-Untersuchungsausschuss Potsdamer Landtag

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Polizeiwagen stehen während einer Sitzung des NSU-Untersuchungsausschusses des Potsdamer Landtags vor dem Landtag. Foto: Ralf Hirschberger

Potsdam (dpa/bb) - Der Potsdamer NSU-Untersuchungsausschuss hat am Donnerstag erneut den früheren V-Mann «Piatto» vernommen. Aus Gründen der Sicherheit waren Zuschauer und Journalisten ausgeschlossen und konnten die Vernehmung nur über eine Audioübertragung in einem anderen Raum verfolgen.
Die Vernehmung war erneut von Erinnerungslücken des Zeugen geprägt. Die Abgeordneten fragten unter anderem zu Waffenkäufen in der rechtsextremen Szene und geplanten Anschlägen vor rund 20 Jahren. Immer wieder verwies der Zeuge auf Erinnerungslücken. «Ich kann es nach 20 Jahren echt nicht mehr sagen», meinte er.
Aus heutiger Sicht sei es aber für ihn die richtige Entscheidung gewesen, damals aus der rechten Szene auszusteigen und dann als Informant des Verfassungsschutzes weitere Kontakte zu pflegen. «Ja, es war die richtige Entscheidung.» Er habe sein bestmögliches gegeben, um gegen die rechte Szene etwas zu tun.
«Piatto» hatte bereits im Juni ausgesagt, er habe sich in den 1990er Jahren in der Untersuchungshaft der Behörde angedient, weil er aus der rechten Szene aussteigen wollte. In U-Haft war er damals wegen versuchten Mordes an einem Nigerianer. Wegen der Tat wurde er später verurteilt.
Am Donnerstag berichtete er auch über Details, wonach etwa sein V-Mann-Führer Post für ihn verschickt habe, als er in Haft saß. Er habe zudem sein vom Verfassungsschutz gestelltes Handy auch für Telefonate mit der rechten Szene genutzt. Zudem sagte er, dass er seiner damaligen Lebensgefährtin nicht verraten habe, dass er für den Verfassungsschutz arbeite. Er vermute, sie habe das erst aus der Zeitung erfahren.
Der Ausschuss soll unter anderem klären, ob der Verfassungsschutz Informationen von «Piatto» zum NSU-Trio nicht ausreichend an Behörden in anderen Bundesländern weiterleitete. Dem NSU werden zehn Morde angelastet. Der Parlamentsausschuss könnte auch klären, inwieweit der Brandenburger Verfassungsschutz unter anderem durch die Bezahlung von V-Leuten die rechte Szene unterstützt hat.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 22. November 2018 13:30 Uhr

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