20 Jahre Bundesstiftung Aufarbeitung: Demokratie schützen

20 Jahre Bundesstiftung Aufarbeitung: Demokratie schützen

Warum fühlen sich viele Ostdeutsche zu wenig repräsentiert und zu wenig ernst genommen mit ihren Erfahrungen? Diesen Fragen soll nun verstärkt nachgegangen werden. Eine in Berlin ansässige Stiftung will sich darum kümmern.

Anna Kaminsky

© dpa

Anna Kaminsky, Vorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Foto: Soeren Stache/Archiv

Berlin (dpa) - Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hat vor einem Verfall der Demokratie gewarnt. Wie viel demokratische Freiheit wert ist, werde exemplarisch im Vergleich mit der DDR deutlich, sagte Geschäftsführerin Anna Kaminsky der Deutschen Presse-Agentur. Dies betreffe gerade die junge Generation, die die deutsche Teilung nicht erleben musste. «Erst wenn man weiß, was man hat, weiß man, was man verlieren kann», betonte Kaminsky.
Vor 20 Jahren trat am 13. Juni 1998 das Gesetz zum Aufbau der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Kraft. Damals habe die Eigenbezeichnung der Bundesstiftung bei vielen Unverständnis und Ablehnung ausgelöst, so Kaminsky. Heute sei anerkannt, dass die DDR ein diktatorischer Staat gewesen sei.
Lange habe die Überwachung durch die DDR-Staatssicherheit im Mittelpunkt des Interesses gestanden. Mittlerweile habe sich der Blick auf das politische und gesellschaftliche Gesamtgefüge der Diktatur geweitet. «Man sieht heute klarer, dass die Stasi zwar Schild und Schwert der Partei, die SED aber insgesamt verantwortlich war.»
«Während es nach 1990 schien, als sei die Demokratie unaufhaltsam auf dem Vormarsch, sehen wir heute, dass demokratische Institutionen in vielen Ländern stark unter Druck geraten», analysierte Kaminsky.
Bildung zum Thema Diktatur und Demokratie sei deshalb notwendiger denn je, betonte die Geschäftsführerin angesichts von Politikmüdigkeit und -verdrossenheit. Die Stiftung fordert, an Schulen und Universitäten eine stärkere Auseinandersetzung mit der deutschen Diktaturgeschichte zu ermöglichen.
Auch neue Themen werden in den Blick genommen, wie Kaminsky sagte. Viele Ostdeutsche fühlten sich nicht ausreichend repräsentiert, verstanden oder ernst genommen. «Diese Haltung rührt häufig aus schmerzhaften Erfahrungen, die in den Jahren nach der deutschen Einheit gemacht wurden.» Diese Ursachen müssten stärker als bisher aufgearbeitet werden. Die Transformationsphase nach 1989/90 werde deshalb in den nächsten Jahren wachsendes Gewicht bekommen.
Die Stiftung erreichten wegen ihrer Erfahrungen bei der Diktaturaufarbeitung inzwischen Anfragen aus aller Welt, so die Geschäftsführerin. Die Bundesstiftung fördert in diesem Jahr 159 Projekte mit 2,65 Millionen Euro. Dokumentarfilme, Publikationen, Ausstellungen sowie Tagungen können mit dem Geld unterstützt werden.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 11. Juni 2018