Stiftungsdirektor Morsch fordert Millionen für Gedenkstätten

Mehr als 800 000 Besucher kommen jedes Jahr in die Brandenburgischen Gedenkstätten, um sich mit der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft auseinanderzusetzen. Nun muss wieder in den Erhalt der Anlagen investiert werden.
Günter Morsch
Stiftungdirektor der Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch. Foto: Ralf Hirschberger/Archiv © dpa

Oranienburg (dpa/bb) - Der scheidende Stiftungsdirektor Professor Günter Morsch hat deutlich mehr öffentliche Mittel für den Unterhalt der Brandenburgischen Gedenkstätten gefordert. In den 25 Jahren des Bestehens der Stiftung seien rund 60 Millionen Euro in die Sanierung der ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen und Ravensbrück sowie weiterer Gedenkorte investiert worden, sagte Morsch am Donnerstag in Oranienburg. «Doch viele Anlagen sind inzwischen in die Jahre gekommen und müssen mit deutlich mehr Investitionsmitteln erhalten werden», sagte Morsch. 

Über viele Jahre hinweg habe der Investitionshaushalt rund 3 Millionen Euro jährlich betragen, erläuterte Morsch. Dieser Betrag sei mit gut 1,1 Millionen Euro in diesem Jahr inzwischen auf fast ein Drittel gesunken. «Es wäre schön, wenn wir wieder auf den alten Stand kämen», sagte Morsch. Auch Sondermittel für neue Projekte von der EU und dem Bund flössen nicht mehr in dem Maße wie früher.

Dennoch kann in der Gedenkstätte Sachsenhausen am 25. Februar ein neues Depot für die rund 35 000 Objekte und 450 Meter Regale voller Archivmaterial aus der Zeit des Konzentrations- und späteren sowjetischen Speziallagers eröffnet werden. Das Depot war bislang provisorisch im ehemaligen Kino des Lagers untergebracht.

Das zweite Neubauprojekt ist vom Herbst an die Herrichtung des Südgeländes des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück. Mit der Markierung der vier Lagerstraßen und 40 zusätzlichen Informationstafeln soll bis 2020 das gesamte Areal des Lagers für die Besucher wieder erlebbar werden. Bislang war in die Gedenkstätte nur eine Lagestraße mit zwei Reihen Baracken und den Hallen der Textilfabrik integriert.

Morsch, der die Stiftung seit der Gründung im Jahr 1993 leitet, geht Ende Mai in den Ruhestand und übergibt die Leitung an den Münchner Historiker Axel Drecoll. Als «größtes Scheitern» bezeichnete der 65-Jährige, dass es ihm nicht gelungen sei, die Brandenburgischen Gedenkstätten auch in der Berliner Erinnerungskultur zu verankern. «Ich erwarte, dass das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen zumindest in der künftigen Ausstellung des Humboldt-Forums eine Rolle spielt», sagte Morsch.

In den vergangenen Jahren habe die Forschung zu den Motiven der Täter deutlich an Bedeutung gewonnen, sagte der Stiftungsdirektor. Dies sei angesichts der aktuellen politischen Entwicklung in Deutschland wichtig, betonte Morsch und nahm indirekt Bezug auf die AfD. Er sprach von «einer Partei, die mit fast hundert Vertretern im Bundestag sitzt und von der revisionistisches Gedankengut verbreitet wird». Weiter sagte er: «Wenn man nach den Motiven der Täter von damals fragt, wird man dort erstaunliche Parallelen entdecken.»

Quelle: dpa
Aktualisierung: 15. Februar 2018
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