Kannibalismus-Verdacht: Kein Befangenheitsantrag gestellt

Kannibalismus-Verdacht: Kein Befangenheitsantrag gestellt

Im Prozess wegen Mordes mit Kannibalismus-Verdacht hat die Verteidigung einen zunächst angekündigten Befangenheitsantrag gegen die Richter nicht gestellt. Das Berliner Landgericht kündigte danach am Freitag an, dass die Verhandlung nach einer rund dreiwöchigen Pause mit der erneuten Befragung des Rechtsmediziners Michael Tsokos von der Berliner Charité fortgesetzt werden soll.

Der 42 Jahre alte Angeklagte soll im vergangenen September in seiner Wohnung in Berlin-Pankow einen 43 Jahre alten Mann umgebracht haben, um durch die Tötung sexuelle Befriedigung zu erlangen und Teile der Leiche zu essen. Der Deutsche hatte das Opfer laut Ermittlungen nur wenige Stunden zuvor über ein Dating-Portal kennengelernt. Die Leiche soll er zerstückelt und Teile an verschiedenen Orten in der Stadt abgelegt haben.
Nach mehrwöchigem Prozess hatte der Angeklagte sein Schweigen gebrochen und die Vorwürfe zurückgewiesen. Es treffe nicht zu, dass er den 43-Jährigen getötet habe, sagte er. Nach einem Sex-Treffen habe der Mann allein im Wohnzimmer seiner Wohnung übernachtet, so der Angeklagte. Als er ihn am Morgen gefunden habe, sei der 43-Jährige tot gewesen. In Panik sei er zu dem Schluss gekommen, dass die Leiche weg müsse.
Das Opfer, ein deutscher Monteur, galt wochenlang als vermisst. Das mutmaßliche Verbrechen kam ans Licht, nachdem im November 2020 Knochenteile an einem Wald entdeckt worden waren. Wenig später wurde der Lehrer festgenommen.
Die Verhandlung war zuletzt in einem Streit um ein erneutes rechtsmedizinisches Gutachten ins Stocken geraten. Die Anwältinnen des Lehrers hatten Zweifel an der Sachkunde zweier im Prozess gehörter Sachverständiger geäußert und die Einholung eines weiteren Gutachtens zu forensisch-toxikologischen Fragen gefordert. Über diesen Antrag hat das Landgericht noch nicht entschieden.
Der Prozess wird am 9. Dezember fortgesetzt. Geplant sind dann zwei weitere Verhandlungstage bis zum 22. Dezember.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 19. November 2021 16:12 Uhr

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