Rohrbombenleger: «Wollte Knall erzeugen, nicht verletzen»

Rohrbombenleger: «Wollte Knall erzeugen, nicht verletzen»

Eine Serie von Rohrbomben-Explosionen sorgte in Berlin-Schöneberg für Verunsicherung. Rund sieben Monate später hat ein 30-jähriger Lehrer vor dem Landgericht der Hauptstadt gestanden. Er sei schockiert über seine Taten und bitte um Entschuldigung, erklärte der Mann zu Prozessbeginn am Dienstag. Innere Konflikte und Überforderung habe er mit Pyrotechnik zu kompensieren versucht.

Justitia

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Eine Statue der Justitia steht unter freiem Himmel.

Tiefe Scham und Reue empfinde er, erklärte der Angeklagte weiter. «Ich bitte um Entschuldigung.» Es sei ihm nicht darum gegangen, Menschen zu verletzen oder Sachschäden zu verursachen. «Ich wollte Pyrotechnik herstellen und Knall erzeugen.» Er habe sich «Kontrolle vorgemacht» und die Gefährlichkeit völlig ausgeblendet. «Ich habe meine inneren Konflikte immer besessener durch den zwanghaften Drang nach Pyrotechnik kontrollieren wollen.»
Der Mann soll laut Anklage acht Sprengsätze zwischen Dezember 2020 und Februar 2021 zur Explosion gebracht haben. Dabei habe er Rohrbomben aus dem Fenster seiner Wohnung in Berlin-Schöneberg geworfen, manche im Innenhof des Wohnhauses entzündet.
In einem Fall habe er einen Sprengsatz an einem Beschwerungsfuß eines Verkehrsschildes angebracht und per Fernzündung zur Explosion gebracht. Teile seien bis zu 80 Meter weit geflogen, so die Anklage. Ein Passant sei leicht verletzt worden. Durch die Druckwelle der Explosion seien zudem Fensterscheiben zerstört worden.
Die Auswirkungen der Rohrbombe an dem Verkehrsschild habe er nicht mitbekommen, so der 30-Jährige. «Mein schlechtes Gewissen war auch nicht so stark, dass ich es nicht wieder gemacht hätte.» Bei ihm habe eine Faszination bestanden, «Sprengkörper zu zünden und zu glauben, dass ich es kontrollieren kann». Ihm sei erst in der inzwischen siebenmonatigen Untersuchungshaft bewusst geworden, «dass es großes Glück war, dass nicht mehr passiert ist».
Der Angeklagte sagte weiter, er habe sich damals im zweiten Staatsexamen befunden. «Ab dem zweiten Halbjahr begann die Corona-Pandemie.» Die Situation seiner Schüler habe ihn «extrem belastet». Zudem sei er davon ausgegangen, dass er das Examen nicht bestehen würde. Er habe Alkohol und Drogen konsumiert. «Aber ich habe mir keine Hilfe geholt», so der Mann, der nach seinen Angaben Ende Januar doch sein Examenszeugnis mit «ganz gutem» Ergebnis erhielt. Er wolle sich in Therapie begeben.
Bei seiner Festnahme am 4. Februar 2021 stellten Polizisten zudem 14 weitere von ihm hergestellte funktionsfähige Spreng- und Brandvorrichtungen in seiner Wohnung sowie in einem Motorroller sicher. Die Anklage lautet unter anderem auf Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, gefährliche Körperverletzung und Vorbereitung eines Explosionsverbrechens. Der Prozess wird am 16. September fortgesetzt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 14. September 2021 16:57 Uhr

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