Ermordete Afghanin transportiert: Polizei sucht Taxifahrer

Ermordete Afghanin transportiert: Polizei sucht Taxifahrer

Die Leiche der mutmaßlich von ihren Brüdern in Berlin ermordeten Afghanin soll in einem Koffer mit einem Taxi zum Bahnhof Südkreuz gebracht worden sein.

Taxi

© dpa

Ein Taxischild an einem Taxi.

Die Berliner Kriminalpolizei sucht mit einem Bild des Autos den Taxifahrer, der die beiden Männer und den großen Rollkoffer am 13. Juli 2021 fuhr. Der Taxifahrer sei ein wichtiger Zeuge, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Aufnahmen aus Überwachungskameras hätten gezeigt, dass die verdächtigen Brüder mit dem Taxi unterwegs waren. Das Auto war ein Toyota Prius mit seitlicher Werbung für ein Möbelhaus und einem kleinen Unfallschaden hinten rechts. Die Mordkommission des LKA bat den Fahrer, sich zu melden und fragte, wer Hinweise zum Taxi oder seinem Fahrer geben kann.
Die Brüder im Alter von 22 und 25 Jahren sollen laut Staatsanwaltschaft ihre 34-jährige Schwester «aus gekränktem Ehrgefühl» in Berlin getötet und die Leiche nach Bayern gebracht und dort vergraben haben. Die Leiche wurde gefunden und identifiziert. Die Brüder sollen die Tat begangen haben, weil das Leben der Schwester nicht ihren Moralvorstellungen entsprochen habe. Seit dem 4. August sitzen sie in Untersuchungshaft. Die Frau und die Brüder kamen vor einigen Jahren aus Afghanistan nach Deutschland.
Die «Bild»-Zeitung hatte am Dienstag Bilder veröffentlicht, die die Verdächtigen zeigen, wie sie einen schweren Rollkoffer durch den belebten Bahnhof ziehen und ihn zu zweit in einen ICE heben. Die Frau hatte zwei Kinder im Alter von 9 und 13 Jahren und war von einem afghanischen Mann geschieden. Nach Angaben von Ermittlern wurde sie massiv von einem der Brüder unter Druck gesetzt. Er soll kontrolliert haben, ob sie ein Leben nach den Vorschriften einer rückständigen, männerdominierten islamischen Gesellschaft führte. Nach Medienberichten, die sich auf Zeugenaussagen stützen, hatte die Frau oft blaue Flecken und andere Verletzungen.
Morde im Namen einer vermeintlichen Ehre, sogenannte Ehrenmorde, sorgten bereits in der Vergangenheit deutschlandweit für Aufsehen. 2005 wurde die 23-jährige Deutsch-Türkin Hatun Sürücü in Berlin von ihrem Bruder mit drei Schüssen getötet. Frauenrechtsorganisationen sprechen von zahlreichen derartigen Taten in jedem Jahr.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 12. August 2021 13:38 Uhr

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