Prozess um Auftragsmord: Verteidiger weisen Anklage zurück

Prozess um Auftragsmord: Verteidiger weisen Anklage zurück

Rund 23 Jahre nach tödlichen Schüssen auf einen Bauunternehmer in Moabit ist der Fall vor dem Landgericht der Hauptstadt aufgerollt worden. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Auftragsmord aus.

Eine Statue mit verbundenen Augen am Eingang eines Gerichts

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Eine Statue der Justitia mit verbundenen Augen am Eingang eines Gerichts.

Der 59-jährige Angeklagte soll mit einer Pistole bewaffnet im Büro des 41 Jahre alten Opfers erschienen sein und den Mann für einen Lohn von 1500 DM (knapp 770 Euro) umgebracht haben. Die Verteidiger wiesen die Anklage zu Prozessbeginn am Freitag zurück. Ihr Mandant habe sich «nichts zu Schulden kommen lassen», erklärten sie. Der aus Moldawien stammende 59-Jährige kündigte an, er werde zu einem späteren Zeitpunkt aussagen.
Der Berliner Bauunternehmer befand sich nach Renovierungsarbeiten im Badezimmer des Büros im Erdgeschoss, als er am Nachmittag des 3. März 1998 hinterrücks erschossen wurde. Drei Kugeln trafen den 41-Jährigen in Rücken und Kopf. Laut Anklage soll der angeklagte Bauarbeiter für das Opfer tätig gewesen sein. Ein anderer damaliger Bauunternehmer soll den Mordauftrag erteilt haben. Hintergrund seien finanzielle Streitigkeiten gewesen.
Jahrelang tappte die Polizei im Dunkeln. Die Ermittlungen liefen 2017 neu an, nachdem sich in Großbritannien ein Mann gemeldet und dann auch in Deutschland eine Aussage in dem Fall gemacht hatte. Die Angaben des Zeugen, bei dem es sich um einen Landsmann des Angeklagten handeln soll, führten zur Festnahme des 59-Jährigen in Italien, wo er seit längerem lebte. Als mutmaßlicher Auftraggeber gilt ein Brite, der Angaben zufolge derzeit in Großbritannien eine mehrjährige Haftstrafe wegen Vermögensdelikten verbüßt. 
Der Zeuge soll zu Protokoll gegeben haben, der Angeklagte habe ihm gegenüber kurz nach der Tat die Schüsse gestanden. Die Verteidiger erklärten nun, der Zeuge habe sich bei der Polizei «bemerkenswert psychiatrisch» geäußert. Das Gericht kündigte an, es strebe eine aussagepsychologische Begutachtung des Zeugen an. Der Prozess wird am 10. Februar fortgesetzt. 

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 29. Januar 2021 16:21 Uhr

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