Forderung: Abgeschobener Afghane soll für Prozess zurück

Forderung: Abgeschobener Afghane soll für Prozess zurück

Die Opferberatungsstelle Reachout hat gefordert, einen abgeschobenen Nebenkläger für einen Strafprozess aus Afghanistan nach Berlin zurückzuholen. Er sei im März dieses Jahres abgeschoben worden, obwohl der Prozess noch nicht abgeschlossen sei, teilte Reachout am Freitag (18. Dezember 2020) mit.

Justizia

© dpa

Eine Statue der Justizia.

Er werde jetzt als Zeuge gebraucht. Laut Reachout war der Mann im April 2017 auf einem S-Bahnhof von mutmaßlich rassistischen Schlägern attackiert worden. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin hatte das Strafverfahren gegen einen Polizisten und zwei Handwerker im Januar begonnen, musste dann aber wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt werden. Das Verfahren am Amtsgericht Berlin-Tiergarten beginne am 20. Januar neu, sagte eine Gerichtssprecherin. Angeklagt sei gefährliche Körperverletzung. Der inzwischen abgeschobene «Geschädigte» sei bei dem ersten Prozess-Anlauf im Januar auch als Nebenkläger dabei gewesen. Zu der Abschiebung sagte die Sprecherin, das Gericht habe keinen Einfluss auf «aufenthaltsbeendende Entscheidungen». Dies sei dem Gericht nur mitgeteilt worden.
Laut Anklage sollen die betrunkenen Männer auf dem S-Bahnhof Karlshorst dem 26-Jährigen hinterhergerannt und mit Ästen und Stöcken auf ihn eingeschlagen haben. Der damaligen Polizeimeldung zufolge sollen sie das Opfer auch fremdenfeindlich beleidigt haben. Der Attackierte erlitt demnach Kopf- und Schulterverletzungen. Nun wurde gefordert, der Mann sollte die Möglichkeit bekommen, als Zeuge und Nebenkläger im Prozess auszusagen und Schmerzensgeldforderungen geltend zu machen. Zudem müsse er als Opfer einer rassistisch motivierten Gewalttat ein sicheres Aufenthaltsrecht erhalten. Eine Sprecherin des Flüchtlingsrats Berlin sagte, der Mann sei seit dem Überfall gesundheitlich stark beeinträchtigt und habe auch psychische Probleme.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 18. Dezember 2020 16:13 Uhr

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