Falsche Polizisten: Ermittler kommen Bande auf die Spur

Falsche Polizisten: Ermittler kommen Bande auf die Spur

«Null-Drei-Null-Betrug»: Ermittler aus Berlin und Köln sind einer Bande auf die Spur gekommen, die über eine angebliche Telefonnummer der Berliner Polizei dutzende Senioren um ihr Hab und Gut gebracht haben soll. Berliner Beamte verhafteten bereits am 3. Dezember zwei Mitglieder in Bremen, die sich für ihre Taten als Ordnungshüter ausgegeben hatten, wie die Berliner Polizei und die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilten. Das Duo sitzt nun in Untersuchungshaft.

Der Schriftzug «Polizei» ist vor einem Polizeirevier zu sehen

© dpa

Der Schriftzug «Polizei» ist vor einem Polizeirevier zu sehen.

Bei ihrer Masche hatte die hierarchisch strukturierte Bande aus einem Call-Center in der Türkei unter Vortäuschung der Telefonnummer 030-110 vor allem ältere Menschen in ganz Deutschland angerufen. Dabei gaben sich die Anrufer als Polizisten oder Staatsanwälte aus und warnten die Senioren vor Angriffen auf ihr Vermögen. Um ihre Wertsachen in Sicherheit zu bringen, sollten sie die Gegenstände oder das Geld an bestimmten Orten der Polizei übergeben. Dort warteten falsche Polizisten, die die Beute mutmaßlich an Hinterleute in der Türkei weitergaben.
Die betagten Opfer erkannten erst danach, dass sie einem bösen Trick aufgesessen waren. Oft sei es den Tätern gelungen, die gesamten Ersparnisse oder die Alterssicherung zu erbeuten. Die Polizei warnte deswegen, Unbekannte nie in die Wohnung zu lassen. Echte Polizisten kämen nie nach Hause, um Geld- oder Wertgegenstände in Sicherheit zu bringen.
Die beiden jetzt verhafteten Männer im Alter von 58 und 40 Jahren sollen als «Logistiker» der Bande von Bremen aus die «Abholer» und «Transporteure» der Beute rekrutiert und den Transport in die Türkei organisiert oder selbst vorgenommen haben. Auch sollen sie an zahlreichen Taten beteiligt gewesen sein. Grundlage des Haftbefehls sind Fälle in Berlin, Köln und Hildesheim. In einem Fall sei es ihnen gelungen, einen Rentner zu überzeugen, 50 000 Euro in einem Kölner Park zu hinterlegen. In drei weiteren Fällen konnte die Beute gesichert werden, weil die Opfer sich an die echte Polizei wandten.
In einem anderen Fall war ein 74-jähriger Mann in Berlin-Neukölln telefonisch von einem falschen Polizisten vor einem Einbruch in seine Wohnung gewarnt und aufgefordert worden, seine Wertsachen zur Sicherung vor der Haustür abzulegen. Bei der Verfolgung des Transports der Beute nach Bremen konnten die beiden Verdächtigen festgenommen werden.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 9. Dezember 2020 15:30 Uhr

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