Nach Bandenkrieg mit Tschetschenen vorerst Ruhe? BKA warnt

Nach Bandenkrieg mit Tschetschenen vorerst Ruhe? BKA warnt

Nach der Gewalteskalation zwischen Tschetschenen und einem arabischen Clan in Berlin sowie einem sogenannten Friedensgespräch ist zumindest vorläufig offenbar Ruhe eingekehrt. Im November seien keine weiteren Angriffe bekannt geworden, sagte ein Polizeisprecher am Freitag, knapp drei Wochen nach den Vorfällen mit zahlreichen Verletzten in Neukölln und Gesundbrunnen. Gleichzeitig warnten das Bundeskriminalamt (BKA), der Brandenburger Verfassungsschutz und Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) vor künftigen blutigen Revierkämpfen.

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD)

© dpa

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) spricht bei einer Plenarsitzung.

Ob weitere Angreifer inzwischen identifiziert wurden, wollte die Polizei mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen des Landeskriminalamtes (LKA) nicht sagen. Es gehe um eine untere zweistellige Gesamtzahl von Verdächtigen auf beiden Seiten.
Am 7. November überfiel eine Gruppe Tschetschenen mit Schlagstöcken und Messern einen Spätkauf in Neukölln, der mit einem bekannten Clan in Verbindung stehen soll. Es gab mehrere Verletzte. Noch am gleichen Abend und am nächsten Tag prügelten Männer am Bahnhof Gesundbrunnen im Norden Berlins auf Männer aus der tschetschenisch-russischen Szene ein. Dann tauchten im Internet Fotos und ein Video von einem angeblichen Friedensgespräch zwischen Abgesandten der gegnerischen Banden und einem prominenten Boxer als Vermittler auf.
Das BKA wies mit deutlichen Worten auf die Gefahr durch die gewalttätigen tschetschenischen Gruppen hin. Einfluss und Bedeutung der Tschetschenen hätten «in den letzten Jahren deutlich zugenommen», sagte der Leiter der BKA-Abteilung deliktübergreifende organisierte Kriminalität, Markus Koths, am Donnerstag in den ARD-Tagesthemen. Früher seien sie nur «Dienstleister» anderer Banden im Drogenhandel oder als Geldeintreiber gewesen, jetzt hätten sie selbst «kriminelle Geschäftsfelder übernommen». Besonders aktiv seien sie im Norden und Osten Deutschlands.
«Gerade die Entwicklung in den vergangenen Monaten hat gezeigt, dass wir jederzeit mit derartigen Entwicklungen, mit Gewalteskalationen rechnen müssen.» Die Tschetschenen hätten Kampferfahrungen, zeigten «bedingungslose Entschlossenheit» und seien in der Lage, «in sehr kurzer Zeit, große und schlagkräftige Gruppen zusammenzuziehen, nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus dem europäischen Ausland».
Brandenburgs Verfassungsschutzchef Jörg Müller erklärte: «Tschetschenen sind so gefährlich und schwer zu berechnen, weil sie geprägt sind durch eine 300-jährige Kriegssozialisation. Sie sind geprägt durch Kämpfe, durch Mord, durch Tod, durch Verfolgung.» Sie wollten sich Anerkennung verschaffen durch Demonstrationen von Stärke, Macht und Kämpfen.
Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte der «Welt» (Freitag): «Die tschetschenische organisierte Kriminalität ist äußerst brutal und versucht verstärkt auf den Markt zu dringen.» Es gebe Verletzte und Revierkämpfe.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 27. November 2020 14:23 Uhr

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