Prozess gegen Clanchef: Befragung von Bushido stagniert

Prozess gegen Clanchef: Befragung von Bushido stagniert

Im Prozess gegen einen Clanchef und drei seiner Brüder ist die Zeugenvernehmung des Rappers Bushido ins Stocken geraten. Die Verteidiger des Clanchefs verlangten am Montag (31. August 2020) erneut vor Bushidos weiterer Aussage Einsicht in alle Vernehmungen, die der Musiker und dessen Ehefrau im Zusammenhang mit dem Hauptangeklagten Arafat A.-Ch. gemacht haben.

Clanchef und Ex-Geschäftspartner von Rapper Bushido vor Gericht

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Clanchef und Ex-Geschäftspartner von Rapper Bushido vor Gericht.

Ursprünglich sollte am inzwischen vierten Verhandlungstag am Berliner Landgericht die Befragung des Zeugen Bushido fortgesetzt werden. Bushido, mit bürgerlichem Namen Anis Ferchichi, wurde wieder umringt von Personenschützern in den Gerichtssaal gebracht. Der 41-Jährige ist in dem Verfahren um versuchte schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung und Untreue das mutmaßliche Opfer und auch Nebenkläger.

Straftaten nach Auflösung der Geschäftsbeziehungen 2017

Der Rapper und Arafat A.-Ch., Chef einer arabischstämmigen Großfamilie, waren über Jahre hinweg Partner im Musikgeschäft. Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen aufgelöst hatte. Der Clanchef habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido unberechtigt eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

Laut Oberstaatsanwältin Ermittlungen noch nicht abgeschlossen

Bushido war im Prozess zunächst zu seiner musikalischen Karriere befragt worden. Die Verteidiger wollen vor einer Vernehmung zu Kontakten mit Arafat A.-Ch. Einsicht in Vernehmungen des Rappers im Zusammenhang mit anderen Verfahren nehmen. Es gehe darum, seine Glaubwürdigkeit zu prüfen, so die Verteidiger. Hilfsweise beantragten sie die Aussetzung des Verfahrens bis zur beantragten Akteneinsicht. Die Oberstaatsanwältin erklärte, die Ermittlungen in diesen Verfahren seien zum Teil noch nicht abgeschlossen. In diesen Fällen müsse eine Offenlegung abgelehnt werden. Das Gericht zog sich zu einer Beratung zurückgezogen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 31. August 2020 13:12 Uhr

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