Schleusung von Vietnamesen: Mutmaßliche Bande vor Gericht

Schleusung von Vietnamesen: Mutmaßliche Bande vor Gericht

Weil sie an der Schleusung von 155 Vietnamesen beteiligt gewesen sein sollen, stehen vier Männer und zwei Frauen vor dem Berliner Landgericht. Die 23- bis 50-Jährigen sollen in der Hauptstadt als Mitglieder einer internationalen Bande agiert haben. Die Geschleusten seien in einem sogenannten Safehouse in Berlin-Lichtenberg untergebracht worden und hätten das Haus erst nach Zahlung eines Schleusungsentgeltes von 5000 bis 20 000 Euro verlassen dürfen. Die vietnamesischen Angeklagten hätten zwischen Januar 2019 und März 2020 mehr als 1,4 Millionen Euro kassiert, heißt es in der zu Prozessbeginn am Freitag verlesenen Anklage.

Mit einer Großrazzia war die Polizei vor sechs Monaten gegen die mutmaßliche Bande vorgegangen. Sechs Verdächtige wurden damals verhaftet und bundesweit 32 Wohnungen und Häuser durchsucht. Im Einsatz waren insgesamt 700 Bundespolizisten. Für die meisten Geschleusten sei Berlin nur Zwischenstation gewesen, bevor sie danach ins europäische Ausland wie etwa Frankreich oder Großbritannien weitertransportiert worden seien, teilte die Polizei damals mit.
Bis zur Zahlung eines Schleusungsentgeltes wurden die Eingeschleusten laut den Ermittlungen in einem Safehouse festgehalten. «Ohne vorhergehende Bezahlung war es den Geschleusten ausdrücklich untersagt, eigene Telefone zu haben und das Safehouse zu verlassen», heißt es in der Anklage. In Berlin sei ein 40-jähriger Angeklagter der Organisator gewesen. Er habe in Kontakt mit ausländischen Gruppierungen gestanden, die die Schleusung bis Deutschland organisierten. Zudem habe er seine «Mitarbeiter», die weiteren Angeklagten sowie bislang unbekannte Mittäter, organisiert.
Ob sich die Angeklagten zu den Vorwürfen äußern werden, blieb am ersten Verhandlungstag offen. Das Verfahren sei aus Sicht des Gerichts für eine Verständigung geeignet, gab die Vorsitzende Richterin bekannt. Die Kammer wolle den Prozessbeteiligten am zweiten Verhandlungstag am 2. September Strafvorstellungen unterbreiten. Die Anklage lautet unter anderem auf gewerbs- und bandenmäßigen Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz und Erpressung.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 28. August 2020 15:59 Uhr

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