Prozess um Missbrauch: Nachhilfelehrer verurteilt

Prozess um Missbrauch: Nachhilfelehrer verurteilt

Ein ehemaliger Nachhilfelehrer ist wegen sexuellen Missbrauchs einer damals elf Jahre alten Schülerin zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Richterhammer

© dpa

Auf einer Richterbank in einem Gericht liegt ein Richterhammer.

Der 31-Jährige habe das Mädchen während eines Unterrichts in Reinickendorf gestreichelt und über der Kleidung sexuell berührt, begründete das Amtsgericht Tiergarten am 25. August 2020. Eine Bewährungsstrafe komme nicht in Betracht, weil er zum Zeitpunkt der Tat im Juli 2018 unter Bewährung gestanden habe.
Der mehrfach vorbestrafte Mann, der nach seinen Angaben derzeit Student ist, soll sich die Anstellung als Nachhilfelehrer mit einem gefälschten polizeilichen Führungszeugnis erschlichen haben. Dafür wurde er in einem früheren Prozess bereits zu einer Strafe von neun Monaten Haft verurteilt, die allerdings noch nicht rechtskräftig ist. Zudem ist eine gegen ihn verhängte Strafe von knapp drei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger kündigte auch nach dem jetzigen Urteil Berufung an.
Das Mädchen war im Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt worden. Was sie aussagte, sei glaubhaft, so der Richter. Es habe für das Mädchen auch kein Motiv gegeben, den Angeklagten zu belasten. Er sei am Tattag erstmals ihr Nachhilfelehrer gewesen. Zudem habe die Elfjährige die Nachhilfe in den Sommerferien auch von sich aus besucht. Unmittelbar nach dem Übergriff habe sie erst einer Freundin ihrer Mutter und dann ihren Eltern davon erzählt. Als diese den Angeklagten zur Rede stellen wollten, sei er aus dem Fenster geflüchtet, hieß es weiter im Urteil.
Der Angeklagte hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Er habe viele Schüler bereut - «nie ist etwas vorgefallen», so der Familienvater. Vier Monate habe er als angestellter Nachhilfelehrer gearbeitet - «ohne Zwischenfälle». Der Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert. Mehrere andere Nachhilfeschüler, die mit im Raum gewesen seien, hätten nichts von der angeblichen Tat bemerkt, so der Anwalt. Die Staatsanwältin forderte acht Monate Haft auf Bewährung.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 25. August 2020 16:12 Uhr

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