Rabbiner: Halle-Prozess sollte Signal gegen Rassismus sein

Rabbiner: Halle-Prozess sollte Signal gegen Rassismus sein

Der Berliner Rabbiner Yehuda Teichtal hofft nach dem Auftakt des Prozesses um den rechtsterroristischen Terroranschlag von Halle auf dessen Signalwirkung. «Das Signal sollte sein, dass es in der Gesellschaft keinen Ort und kein Verständnis für rassistisches Gedankengut geben darf», sagte Teichtal der «Berliner Zeitung» (Donnerstag). Er hoffe zudem auf ein klares Urteil.

Rabbiner Yehuda Teichtal spricht bei einer Veranstaltung

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Rabbiner Yehuda Teichtal spricht beim Richtfest für den Bau des Jüdischen Campus Berlin.

Der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin war im Juli in Begleitung eines seiner Kinder von Männern auf Arabisch beschimpft und bespuckt worden. Das Verfahren wurde im Herbst eingestellt, weil die Verantwortlichen laut Staatsanwaltschaft nicht zweifelsfrei festgestellt werden konnten. Der Fall hatte hohe Wellen geschlagen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte den Rabbiner nach dem Übergriff und brachte dabei seine Abscheu über die Tat zum Ausdruck.
Die Jüdische Gemeinde fühle sich derzeit nicht ausreichend geschützt, sagte Teichtal im Interview. «Wir wissen die Mühe der Regierung und den Objektschutz durch die Polizei durchaus zu schätzen. Aber ausreichend wird es sein, wenn jüdische Menschen keine Angst mehr haben müssen. Wenn Kinder in der U-Bahn keine Angst mehr haben müssen, weil sie einen Davidstern-Anhänger tragen.» Es gehe vor allem um die Gesellschaft, weniger das Handeln des Staates. «Es geht darum, nicht wegzuschauen. Intoleranz gegen eine Gruppe heute ist Intoleranz gegen eine andere morgen: Heute sind es Juden, morgen Muslime, Homosexuelle oder Frauen», sagte Teichtal.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 23. Juli 2020 06:06 Uhr

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