Rechtsmediziner im Weizsäcker-Prozess: «Mit massiver Wucht»

Rechtsmediziner im Weizsäcker-Prozess: «Mit massiver Wucht»

Der mutmaßliche Mörder des Berliner Chefarztes Fritz von Weizsäcker hat einem Gutachten zufolge mit massiver Wucht zugestochen.

Richterhammer aus Holz

© dpa

Auf einer Richterbank liegt ein hölzerner Richterhammer.

Es sei ungewöhnlich, dass ein einzelner Stich so heftig geführt werde, erklärte der Rechtsmediziner Michael Tsokos von der Charité am Dienstag (30. Juni 2020) vor dem Landgericht der Hauptstadt. Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, wurde am 19. November 2019 gegen Ende eines Vortrages in der Schlossparkklinik durch einen Stich in den Hals getötet. Es habe keine Chance gegeben, die Blutung zu stillen, so der Rechtsmediziner am fünften Verhandlungstag.

Tödliche Stichwunde laut Gutachten 14 Zentimeter lang

Angeklagt ist ein Mann aus Andernach in Rheinland-Pfalz. Dem 57-Jährigen werden Mord an dem 59 Jahre alten Professor sowie versuchter Mord an einem Polizisten zur Last gelegt. Der 34 Jahre alte Beamte, der privat zu dem Vortrag gekommen war, wollte den Angreifer stoppen und wurde schwer verletzt. Als Mordmotiv nimmt die Staatsanwaltschaft Hass auf die Familie des Getöteten an, insbesondere auf den früheren Bundespräsidenten. Die tödliche Stichwunde in den Hals war laut Gutachten 14 Zentimeter lang.

Angeklagter: «Ich bin froh, dass er tot ist.»

Der Angeklagte hat die Attacke gestanden, ohne Reue zu zeigen. «Ich bin froh, dass er tot ist. Für mich war es notwendig», hatte der 57-Jährige sein Geständnis vorgelesen. Er bezeichnete sich als Zwangsneurotiker, Ex-Nazi und verkrachte Existenz.

Vermieter und Hausverwalter des Täters als Zeugen vernommen

In dem Prozess ist die Schuldfähigkeit des 57-Jährigen ein zentraler Punkt. Zur Beurteilung dieser Frage wurden am Dienstag auch der Vermieter des Angeklagten und der Hausverwalter als Zeugen vernommen. Der Hausverwalter erklärte, die Wohnung des 57-Jährigen habe sich in einem «desaströsen Zustand» befunden. Der Mieter habe sich «um nichts gekümmert». In einem Brief habe ihn der Angeklagte auch indirekt bedroht. Die Verhandlung wird am 3. Juli fortgesetzt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 30. Juni 2020 15:05 Uhr

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