Berliner Gefängnisse: Mehr als 80 Dolmetscher stehen bereit

Berliner Gefängnisse: Mehr als 80 Dolmetscher stehen bereit

Im Knast gelten strenge Regeln. Doch wenn Gefangene die gar nicht versteht? In den Berliner Haftanstalten wächst der Anteil ausländischer Insassen - und damit auch der Bedarf an Dolmetschern.

Berlin (dpa/bb) - Für ausländische Gefangene in den Berliner Haftanstalten stehen 86 Dolmetscher bereit. Allein im Gefängnis Heidering arbeiten regelmäßig sieben Sprachmittler, in Moabit zehn sowie in Plötzensee einer, wie die Justizverwaltung auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.
Die Dolmetscher helfen beim Bewältigen des Knastalltags. Sie übersetzen laut Angaben Gespräche mit der Gefängnisleitung bei der Einweisung des Straftäters, dolmetschen bei einem Arztbesuch oder unterstützen bei Anträgen. Es gebe Angebote in Russisch, Albanisch, Spanisch, Vietnamesisch oder Arabisch.
Die freien Sprachmittler können über den Zentralen Dolmetscherdienst für die Justizvollzugsanstalten angefordert werden. Dort können nach Angaben eines Justizsprechers 42 Sprachen sowie sieben afrikanische Dialekte abgerufen werden.
Der Bedarf an Übersetzungen sei in allen Gefängnissen gestiegen, hieß es. Wurden für die freien Honorarkräfte 2017 noch rund 358 600 Euro aufgewandt, waren es im Vorjahr bereits rund 420 700 Euro. Die Dolmetscher leisteten 2018 etwa 12 350 Stunden.
Nach Angaben der Justiz sitzen in den Haftanstalten der Hauptstadt Täter aus mehr als 90 Nationen. Der Anteil ausländischer Gefangener machte zuletzt 44,5 Prozent aus (Stichtag 31. März 2018). Zwei Drittel von ihnen kamen aus europäischen Ländern. Derzeit sind in den Berliner Gefängnissen rund 3860 Inhaftierte.
Der Anteil von Ausländern im Strafvollzug nehme seit mehreren Jahren zu, hieß es. Allein von den 2018 neu eingewiesenen 939 männlichen, erwachsenen Tätern hatte nur etwas mehr als ein Drittel (37,5 Prozent) die deutsche Staatsangehörigkeit.
Die Zahl von Gefangenen, die die deutsche Sprache nicht oder nur ansatzweise beherrschen, werde immer größer, hieß es in der Justizverwaltung. Neben mehr Dolmetschern werde auch ein verstärktes Angebot bei Deutschkursen gebraucht.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 30. Mai 2019 09:50 Uhr

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