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Mit DNA auf Täterjagd - Spurensammler stehen hoch im Kurs

Sie entdecken am Tatort auch noch winzigste Spuren auf Gläsern, Bettlaken und Leichen: die DNA-Experten der Berliner Polizei. Ihre Fachkenntnisse sind stark gefragt - für Straftäter wird es dann häufig eng.
DNA-Labor
Viel Arbeit für DNA-Labor der Berliner Polizei. Foto: Sven Hoppe © dpa

Berlin (dpa/bb) - Das DNA-Labor des Kriminaltechnischen Instituts (KTI) der Berliner Polizei hat immer mehr zu tun. Im laufenden Jahr gingen knapp 18 000 Anfragen ein, im gesamten Vorjahr waren es 23 800, wie Dezernatsleiter Wolf-Rainer Bork sagte. «Die Anträge steigen seit den letzten drei Jahren dramatisch an. Wir kommen gar nicht mehr hinterher.»

Im Labor des Landeskriminalamtes (LKA) arbeiten 11 Sachverständige und rund 25 Assistenten. Anfragen werden auch an die Berliner Charité vergeben, sie machen jedoch laut Bork nur einen Bruchteil aus. «Der Finanztopf ist begrenzt.» Dem promovierten Chemiker zufolge finanziert der Senat die DNA-Analytik mit rund drei Millionen Euro; zwei neue Stellen wurden bereits bewilligt. 2014 kamen von den Ermittlungsbehörden noch weniger als 14 000 Anträge.

Mittlerweile reichen schon winzige Mengen Erbgut für eine DNA-Analyse aus, Bork spricht von 50 bis 100 Zellen. «Jedes Muster ist charakteristisch.» Das könne allerdings auch zu Pannen führen. Wie etwa im Mordfall «Peggy», als Polizei und Staatsanwaltschaft bekanntgaben, am Fundort der sterblichen Überreste des Mädchens DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden zu haben.

Später räumten die Ermittler ein, dass die Böhnhardt-Spur durch eine Panne zum Fundort gelangt sei: Das verwendete Werkzeug zur Spurensicherung war bereits nach Böhnhardts Tod 2011 benutzt worden. «Trotz Schutzkittel und gründlicher Reinigung können winzige Spuren zurückbleiben», erläuterte der 61-jährige Dezernatsleiter.

Die Spurensammler finden die DNA auf Trinkgläsern, Bettlaken und an Toten. Anschließend werden die Spuren im Labor beim LKA ausgewertet. «Manchmal haben die Spuren-Suchtrupps auch gleich die ganze Matratze mit im Gepäck», sagte Bork. Die Spuren werden ausgewertet und in der deutschlandweiten DNA-Analyse-Datei beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden gespeichert.

Dort liegen laut Polizei knapp 60 000 DNA-Muster von Tatorten und Menschen aus Berlin. Im laufenden Jahr erzielten die Ermittler in der Hauptstadt bereits mehr als 1500 Treffer, im gesamten Jahr 2016 waren es mehr als 2000. Seit 2012 nimmt die Zahl zu.

Die DNA-Analytik ist laut Polizeisprecher Thomas Neuendorf in der Aufklärung von Straftaten ein «entscheidendes Hilfsmittel». Eine wesentliche Rolle spielte sie beispielsweise im Mordfall des vermissten Mohamed. Der Flüchtlingsjunge wurde im Oktober 2015 sexuell missbraucht und anschließend brutal erdrosselt. «Anhand der DNA-Spuren an der Kinderleiche und weiteren Gegenständen konnten wir den Tatablauf genau rekonstruieren», berichtete Bork. «Das DNA-Profil dient im Strafverfahren als wichtiges Beweismittel, um den Täter schuldig zu sprechen.»

Auch bei einem Raubmord in Neukölln, wo eine Rentnerin im Keller eines Wohnhauses umgebracht worden war, hinterließ der Mörder Spuren. «Der Polizei lagen noch keine Hinweise auf den Täter vor», sagte Bork. Die DNA-Spuren am Tatort lieferten dann jedoch einen Treffer in der Datenbank und führten die Ermittler so zu dem Gesuchten.

Manchmal nimmt das Labor auch aufwendige Massentests vor - wie im Fall des Raubüberfalls im Februar 2014 auf einen Steglitzer Zeitungskiosk. Sein Besitzer war mit mehreren Stichwunden tot gefunden worden. Bork: «Wir bekamen mehrere Hundert Spuren zur Analyse. Der Treffer 116 war es dann.»

Quelle: dpa
Aktualisierung: Samstag, 7. Oktober 2017 10:00 Uhr

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