DDR-Archiv mit persönlichen Erfahrungen soll entstehen

DDR-Archiv mit persönlichen Erfahrungen soll entstehen

Die Erinnerungen und Erfahrungen von Menschen mit DDR-Geschichte will die Universität Erfurt in einem bundesweiten Archiv bündeln. Nachdem im Oktober eine entsprechende Forschungsstelle geschaffen wurde, soll schon bald eine Homepage mit Zeitzeugen-Interviews entstehen, wie die Leiterin der Forschungsstelle, Christiane Kuller, der Deutschen Presse-Agentur sagte. Diese Homepage solle ein digitales Archiv werden, das zum einen den Zugang zu neuen, aber auch alten Interviews vereinfache, und zum anderen dem Austausch diene.

«Wir wollen in dem Sinne auch ein Netzwerk bilden», erzählte Kuller. Damit könne eine Grundlage für weitere DDR-Forschungsprojekte geschaffen werden.
«Jedes Mal, wenn ich ein Interview führe, merke ich, dass die Menschen sehr dankbar sind, dass sie ihre Geschichte endlich teilen können», sagte die Historikern Agnes Arp, die an der Forschungsstelle arbeitet. Sie habe bereits über 400 persönliche Interviews geführt. Ihrer Meinung nach habe es zu oft einen «Diskurs von oben gegeben, in dem sich die Ostdeutschen teilweise gar nicht wiedergefunden haben». Das treibe sie an, an dem digitalen Archiv zu arbeiten.
Ein besonderes Augenmerk solle auf postkoloniale und migrantische Erfahrungen gelegt werden, «weil wir den Eindruck haben, dass die unterrepräsentiert sind in der aktuellen Debatte», sagte Kuller. Ihr gehe es dabei um ehemalige Vertragsarbeiter und Studierende, beispielsweise aus Vietnam oder Mosambik, die in die DDR gekommen seien und hier die Wiedervereinigung erlebt haben.
Das Projekt sei bis 2023 angesetzt. Da die Prozesse der Transformation laut Kuller seit dem Mauerfall 1989 bis heute andauern, hoffen die Verantwortlichen, dass das Archiv darüber hinaus weiter vervollständigt werden kann.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 5. November 2021 06:13 Uhr

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