Gedenkveranstaltung: Steinmeier mahnt Handeln gegen Antisemitismus an

Gedenkveranstaltung: Steinmeier mahnt Handeln gegen Antisemitismus an

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dazu aufgerufen, Rassismus und Judenhass entschlossen entgegenzutreten.

  • Gedenkveranstaltung zur Deportation jüdischer Mitbürger (1)© dpa
    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (r) und seine Frau Elke Büdenbender legen am Mahnmal Gleis 17 einen Kranz nieder.
  • Gedenkveranstaltung zur Deportation jüdischer Mitbürger (3)© dpa
    Franz Michalskis und seine Frau Petra, Zeitzeugen, legen am Mahnmal Gleis 17 Blumen nieder.
  • Gedenkveranstaltung zur Deportation jüdischer Mitbürger (2)© dpa
    Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin, legt am Mahnmal Gleis 17 einen Kranz nieder.
  • Gedenkveranstaltung zur Deportation jüdischer Mitbürger (5)© dpa
    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht auf einer Gedenkveranstaltung mit der an den Beginn der Deportationen von Juden aus Berlin vor 80 Jahren erinnert wurde.
  • Gedenkveranstaltung zur Deportation jüdischer Mitbürger (4)© dpa
    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht auf einer Gedenkveranstaltung mit der an den Beginn der Deportationen von Juden aus Berlin vor 80 Jahren erinnert wurde.
  • Gedenkveranstaltung zur Deportation jüdischer Mitbürger (6)© dpa
    «18.10.1941» steht am Mahnmal Gleis 17, auf welchem weiße Rosen liegen.
«Nie wieder darf Antisemitismus einen Platz in unserer Gesellschaft haben», sagte er am 18. Oktober 2021 laut Redemanuskript bei einer Gedenkveranstaltung zum Holocaust in Berlin. «Nie wieder dürfen antisemitisches Denken und Handeln ohne Widerspruch und öffentliche Reaktionen bleiben.» Jüdinnen und Juden hätten einen selbstverständlichen Platz in unserer Gesellschaft. «Jüdische Kultur ist nicht nur Teil der deutschen Kultur, sie hat sie zutiefst geprägt und reich beschenkt.»

Beginn der Deportation jüdischer Menschen in Ghettos und Vernichtungslager am 18. Oktober 1941

Steinmeier äußerte sich bei einer Veranstaltung am Mahnmal Gleis 17 in Grunewald, wo an den Beginn der Deportation jüdischer Menschen in Ghettos und Vernichtungslager durch die Nazis vor 80 Jahren erinnert wurde. Am 18. Oktober 1941 verließ der erste Berliner «Osttransport» mit mehr als 1000 jüdischen Kindern, Frauen und Männern den Bahnhof Grunewald in Richtung Litzmannstadt (Lodz). Auch an anderen Orten im damaligen Deutschen Reich begann in jenem Monat die systematische Deportation und damit Ermordung der jüdischen Bevölkerung.

Steinmeier: Verbrechen vor aller Augen

Steinmeier sprach von einem «abgründigen, grauenhaften Geschehen». «Noch immer tragen wir Deutschen an der Schuld, die Täter, Helfer, Unterstützer des planmäßigen Mordes an den europäischen Juden auf sich geladen haben», sagte er. «Noch immer verspüren wir die Scham darüber, dass Mitbürgerinnen und Mitbürger aus der Mitte der Gesellschaft ausgesondert wurden: schikaniert, entrechtet, enteignet - und schließlich auf die Fahrt in den Tod geschickt.»
Erschütternde Tatsache sei, dass sich das Verbrechen vor aller Augen ereignet habe. «Das Ausgrenzen und das Abholen geschah mitten im deutschen Alltag, das ist die grausame Wahrheit - wenn auch die eigentliche Ermordung und Vernichtung in den eroberten und besetzten Gebieten im Osten stattfand.»

Michael Müller: Freiheit, Toleranz und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeiten

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) rief dazu auf, die Erinnerung an die Shoa und die Verbrechen des Nationalsozialismus wach zu halten, um die Demokratie vor erstarkendem Rechtsextremismus zu schützen. Freiheit, Toleranz und Demokratie seien keine Selbstverständlichkeiten, sondern müssten ständig verteidigt und notfalls von neuem erkämpft werden.
Von 1942 an fuhren die Berliner Deportationszüge auch vom Anhalter Bahnhof und vom Güterbahnhof Moabit ab. Ihre Ziele waren Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager etwa in Minsk, Riga, Theresienstadt, Sobibor oder Auschwitz. Insgesamt wurden im Holocaust rund sechs Millionen Jüdinnen und Juden ermordet, darunter etwa 50 000 aus Berlin.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 18. Oktober 2021 16:05 Uhr

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