Einigung mit Charité und Vivantes? Verdi zuversichtlich

Einigung mit Charité und Vivantes? Verdi zuversichtlich

In der Tarifauseinandersetzung zwischen Verdi und den Krankenhäusern Vivantes und Charité ist laut Gewerkschaft eine Lösung bei bestimmten Streitpunkten erzielt worden. Am weitesten seien die Verhandlungen mit der Charité vorangeschritten, sagte Tarifsekretärin Melanie Guba am Dienstag in Berlin. Mit Vivantes liege Verdi noch weiter auseinander. In dem ab Dienstag geplanten Verhandlungsmarathon könne aber noch viel bewegt werden, sagte Anja Voigt, Intensiv-Pflegerin bei Vivantes und Mitglied der Tarifkommission.

Verdi

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Ein Angestellter trägt eine Mütze mit dem Verdi-Logo.

In den Verhandlungen für die Mitarbeiter der Vivantes-Töchter seien Verdi und Vivantes am vergangenen Freitag erstmals aufeinander zugegangen. Es seien noch Fragen offen, für die sich rasch Lösungen finden lassen könnten, sagte Verdi-Verhandlungsführer Ivo Garbe. «Wir sehen eine realistische Chance, tatsächlich auch in dieser Woche eine Einigung zu erzielen», betonte er. Aktuell sei aber noch keine weiterer Termin angesetzt.
Bei der Charité gebe es zum Entlastungsausgleich und zur Verbesserung der Ausbildungsqualität eine Einigung, sagte Guba. So sollen Mitarbeiter künftig nach fünf unterbesetzten Schichten einen Tag Freizeitausgleich nehmen können. Die Anzahl der freien Tage sei aber gedeckelt: Für 2022 seien fünf Tage geplant, für 2023 zehn Tage und 2024 höchstens 15 Tage.
Die Möglichkeit des Freizeitausgleichs sei neu und solle auch von den Auszubildenden genutzt werden können. Ein weiteres Novum: Die Charité wolle den Mitarbeitern die Möglichkeit eines Sabbaticals anbieten. «Das begrüßen wir», so Guba. Der große Knackpunkt sei weiterhin die Mindestpersonalbesetzung auf den Stationen. Ziel sei es, die Verhandlungen in dieser Woche zum Abschluss zu bringen. Am Mittwoch sind weitere Verhandlungen geplant.
Bei Vivantes stünden derzeit noch zwölf unterbesetzte Schichten im Raum, die die Mitarbeiter absolvieren sollen, um einen Tag Freizeitausgleich zu bekommen, sagte Gewerkschaftssekretär Tim Graumann, der die Verhandlungen begleitet. Das sei mehr als doppelt so viel wie bei der Charité und inakzeptabel. Bei den Auszubildenden liege die Zahl der Schichten sogar bei 48. «Da stehen wir noch sehr weit auseinander und hoffen auf Bewegung», sagte Graumann.
Das Arbeiten in unterbesetzten Schichten gehört für viele Beschäftigte zum Alltag: «Bei uns liegt der Krankenstand derzeit bei 25 Prozent», sagte etwa Vivantes-Intensivschwester Anja Voigt.
Krankenhausmitarbeiter sind in den landeseigenen Häusern am 9. September in einen unbefristeten Streik getreten. Laut Voigt streiken derzeit etwa 1000 Mitarbeiter. Sie setzen sich für einen Entlastungstarifvertrag mit besseren Arbeitsbedingungen ein. Unter anderem soll die Personaldichte auf den Stationen erhöht werden. Bei den Konzern-Töchtern von Vivantes möchte Verdi eine Anwendung des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) erreichen.
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Aus Sicht der Berliner Professorin für Pflegewissenschaft, Gudrun Piechotta-Henze, ist der Streik gerechtfertigt. «Leider zeigen Überlastungsanzeigen im Krankenhaus- und Pflegealltag oftmals keine Wirkung, die Pflegenden arbeiten - irgendwie - weiter, mit großem emotionalem und moralischem Druck, da Pflege nicht ausgesetzt werden kann wie andere Arbeitsbereiche, etwa in der Autoindustrie», sagt die Wissenschaftlerin von der Alice Salomon Hochschule.
Andererseits müsse man gerade den kommunalen Kliniken zu Gute halten, dass sie versuchten, mehr Pflegepersonal einzustellen, aber der Arbeitsmarkt sei leergefegt. «Die Deutsche Krankenhausgesellschaft mahnt, dass in Deutschland etwa 40.000 Pflegefachkräfte fehlen», so Piechotta-Henze.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 28. September 2021 13:38 Uhr

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