Senatorin: Pflegeheim-Leitung wird abgesetzt

Senatorin: Pflegeheim-Leitung wird abgesetzt

Nach einem Corona-Ausbruch mit mindestens 15 Toten in einem Berliner Pflegeheim muss die Heimleitung nach Angaben von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) gehen.

Dilek Kalayci

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Dilek Kalayci (SPD), Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung in Berlin.

Die Heimaufsicht habe den weiteren Einsatz der Leitung im Bezirk Lichtenberg untersagt, sagte sie in einer Fragestunde im Abgeordnetenhaus am Donnerstag (19. November 2020). Bis Freitagnachmittag würden vom Träger neue Personalvorschläge für die Position erwartet. Sollte dies nicht erfolgen, werde über weitere Maßnahmen nachgedacht. «Erteilte Auflagen der zuständigen Behörden, wie die Einsetzung einer neuen Leitung des Hauses, werden wir umsetzen», teilte eine Sprecherin des Pflegeheims Kursana Domizil Lichtenberg, das zur Dussmann-Gruppe gehört, am Donnerstag mit. Die neue Leitung des Hauses sei der Heimaufsicht am Donnerstag gemeldet worden.

Hygienevorgaben von einzelnen Beschäftigten nicht beachtet

«Die Feststellung des Gesundheitsamtes und der Heimaufsicht zeigen, dass Hygienevorgaben nicht beachtet worden sind», sagte Kalayci zur Begründung der Maßnahme. Das betreffe einzelne Beschäftigte und die Heimleitung. Am Mittwochabend hatte der Pandemiestab des Bezirks über seinen Bericht informiert. Danach war das Heim den Nachbesserungen, die Lichtenbergs Amtsarzt bereits Anfang Oktober mit Blick auf Kontakte und Hygiene gefordert hatte, nicht in ausreichendem Maße nachgekommen. Der Amtsarzt war nach diesem Bericht mehrfach im Pflegeheim und hatte die Einhaltung von Regeln wiederholt angeordnet. Dass der Ausbruch von Heimpersonal ausging, lasse sich vermuten, aber noch nicht mit Sicherheit sagen, sagte eine Sprecherin des Bezirks am Mittwoch.

Insider berichtet von miserabler Ausbildung, mangelnde Kontrolle und fehlende Deutschkenntnisse

Ein Teil der verbliebenen Bewohner des Heims musste in andere Einrichtungen verlegt werden. Neue Tests vom 17. November sind nach Angaben der Kursana-Sprecherin noch in der Auswertung. Was Versäumnisse in Alten- und Pflegeheimen konkret bedeuten können, berichtete ein Insider: miserable Ausbildung des Personals, Missachtung von Hygieneregeln, mangelnde Kontrolle der Einhaltung der Regeln durch die Verantwortlichen des Heims, mangelhafte Unterweisung des externen Personals wie Reinigungskräften sowie fehlende Deutschkenntnisse bei Personal aus dem Ausland. In Lichtenberg seien Schutzmasken trotz entsprechender Vorgaben nicht getragen worden, sagte er. Der Betreiber habe sich schuldig gemacht. Doch das könne überall sonst auch so passieren.

Kalayci: «Jeder einzelne Ausbruch in einem Pflegeheim ist einer zu viel.»

Die Kursana-Sprecherin wiederholte am Donnerstag, dass Auflagen der zuständigen Behörden jederzeit umgesetzt würden. «Wir haben sehr hohe Sicherheitsstandards und gute Hygienekonzepte», teilte sie erneut mit. Doch auch die könnten in Zeiten einer solch weitreichenden Pandemie nicht verhindern, dass die Corona-Infektionsketten auch Seniorenbetreuungs-Einrichtungen erreichten. «Die Hygienevorgaben sind da, die Schutzkleidungen sind auch da und trotzdem kommt es zu diesen ganz schlimmen Ausbrüchen», sagte Kalayci am Donnerstag dazu. «Jeder einzelne Ausbruch in einem Pflegeheim ist einer zu viel.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 20. November 2020 09:08 Uhr

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