Müller mahnt längerfristige politische Corona-Strategien an

Müller mahnt längerfristige politische Corona-Strategien an

Zur Halbzeit des vierwöchigen Teil-Lockdowns hat Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller längerfristige politische Strategien zur Eindämmung der Corona-Pandemie gefordert.

Michael Müller

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Michael Müller, der Regierende Bürgermeister von Berlin.

«Sie können jede einzelne Maßnahme jeden Tag neu beschließen», sagte der SPD-Politiker am Montag (16. November 2020) nach einer Videokonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der anderen Länder. «Aber wir sind an einem Punkt, wo man einerseits konkret auf die Zahlen reagieren muss, und wo man auf der anderen Seite auch für die Wintermonate nicht nur den Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch Institutionen, Häusern, der Kultur, der Gastronomie einmal eine Perspektive vermitteln muss, wo es hingehen kann.»

Keine weiteren Verbote für die nächsten Tagen

Bund und Länder verständigten sich am Montag darauf, für die nächsten Tage erst einmal keine weiteren Verbote und verbindlichen Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu erlassen. Auch die Schulen sollen weiter geöffnet bleiben. Allerdings riefen Merkel und die Ministerpräsidenten die Bürger dringend dazu auf, ihre privaten Kontakte noch einmal deutlich zu reduzieren.

Merkel: «Jeder Kontakt, der nicht stattfindet, ist gut.»

Da die Infektionszahlen immer noch hoch seien, sollte jeder auf private Feiern verzichten und Zusammenkünfte mit Freunden und Bekannten auf einen festen weiteren Hausstand beschränken, heißt es im Beschluss von Bund und Ländern. «Jeder Kontakt, der nicht stattfindet, ist gut», sagte Merkel. Am 25. November soll es weitere Beratungen und - wenn die Zahl der Infizierten und schwer Erkrankten bis dahin nicht stark gesunken ist - womöglich auch weitere verbindliche Einschränkungen geben. Bisher gelten die Schließung von Gaststätten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie strenge Kontaktbeschränkungen für die Bürger bis 29. November.

Müller schätzt Corona-Lage weiterhin als problematisch ein

Die Zeit bis zur nächsten Konferenz müsse genutzt werden, sich damit auseinanderzusetzen, «wie es die nächsten Wochen oder Monate aussehen kann», so Müller, der momentan Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) ist. «Nicht für ein halbes Jahr, aber doch für einen längeren Zeitraum als von Woche zu Woche. Und diese Zeit wollen wir uns nehmen.» Denn nötig sei ein in sich schlüssiges Konzept. Müller schätzt die Corona-Lage in Deutschland nach zwei Wochen Teil-Lockdown weiterhin als problematisch ein. «Die Situation ist weiter besorgniserregend.» In den zurückliegenden Wochen sei zwar durch die Maßnahmen einiges erreicht worden. «Aber das ist nicht genug.»

Senat berät erneut am Dienstag

Müller nannte ein aus seiner Sicht bedrückendes Beispiel aus Berlin: Dort seien erstmals 1000 Corona-Patienten in Krankenhäusern, die gleichzeitig behandelt werden müssten. «Das ist nicht wegzudiskutieren», so Müller. «Die Wintermonate werden nicht einfach werden.» Am Dienstag berät der Senat über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie nach gut zwei Wochen Teil-Lockdown. Die Zahl der Corona-Infektionen in Berlin ist trotz der Maßnahmen weiter hoch.

1337 neue Corona-Fälle am Montag gemeldet

Am Montag meldeten die Gesundheitsämter 1337 neue Corona-Fälle. Damit stieg die Gesamtzahl der Infizierten seit Beginn der Pandemie auf 49 034, wobei 29 927 als genesen gelten. Die Zahl der Corona-Toten stieg um 8 auf 371, wie aus dem Lagebericht der Gesundheitsverwaltung hervorgeht. Weiterhin zeigt eine der drei Berliner Corona-Ampeln Rot, nämlich die sogenannte 7-Tage-Inzidenz. Sie liegt nunmehr bei 224,8 Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen - und damit 18 Prozent höher als vor einer Woche. Der kritische Schwellenwert bei der 7-Tage-Inzidenz beträgt 50.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 17. November 2020 06:59 Uhr

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