Sender Fritz mit Podcast über arabische Clans und Vorurteile

Sender Fritz mit Podcast über arabische Clans und Vorurteile

Der RBB-Sender Fritz will mit einem zwölfteiligen Podcast ein neues Bild von Mitgliedern arabischer Clans in Berlin zeichnen.

Der Hip-Hop-Journalist Marcus Staiger spricht dafür mit dem 27-jährigen Schauspieler und Musikproduzent Mohamed Chahrour, der aus einer Großfamilie kommt, wie der RBB am Dienstag ankündigte. Zu Wort kommen sollen in «Clanland - Schrecklich nette Familiengeschichten» auch viele Mitglieder verschiedener Clans sowie bekannte Rapper wie Fler und Politiker wie Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD).
Staiger und Chahrour kritisieren, dass es in der Berichterstattung der vergangenen Jahre nur um die kriminellen Mitglieder der Clans gehe und ein schiefes Bild entstehe, weil viele Angehörige ein normales und nicht-kriminelles Leben führen würden. Die Darstellung in der Öffentlichkeit nerve ihn, sagt Chahrour in der ersten Folge. Daher wolle er jetzt über das Thema reden: «Ich will mich von diesem Kanakending lösen: sich ärgern, aber nichts dagegen unternehmen und sich wohlfühlen in seinem Ärger. Bequemes Leiden würde ich sagen.»
Am Anfang geht es um positive und negative Erfahrungen bereits in der Kindheit durch einen Familiennamen, der in der Szene verbreitet und bekannt ist. Einerseits hätten alle anderen Kinder Respekt vor ihm gehabt, sagt Chahrour. Anderseits habe er auch mal längere Gespräche mit der Polizei gehabt nur wegen des Nachnamens. Teile seines Lebens würden durch den Namen beeinflusst.
Es gehe nicht darum, Verbrechen zu relativieren, sondern darum, die anderen Menschen zu Wort kommen zu lassen, betont Staiger. Chahrour sagt: «Die Straftaten werden von einigen wenigen verübt, nicht von der ganzen Familie». Das solle verfolgt werden. «Das große Problem ist, dass alle in diesen Topf geworfen werden.»
So ganz stimmt das allerdings nicht. Innensenator Geisel und auch führende Polizisten betonten in der Vergangenheit immer wieder, im Visier der Behörden stünden nur die kriminellen Mitglieder der Großfamilien und keineswegs alle Angehörigen. Es gehe nicht um Sippenhaft. In seinem kürzlich erschienenen Bericht «Auf der Straße gilt unser Gesetz» schreibt der Aussteiger Khalil O., zwar gebe es in 80 Prozent der arabischen Großfamilien Leute, die mit Drogen, Einbrüchen, Schutzgeld oder Prostitution zu tun hätten. Insgesamt kämen aber auf 100 Leute nur 10, die kriminell seien und 10, die im Gefängnis säßen. 80 Prozent hätten mit Kriminalität nichts zu tun. Vor allem um diesen Teil soll es im Podcast gehen. Die nächsten Folgen von «Clanland» werden immer montags veröffentlicht.
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© dpa

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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 10. November 2020 12:17 Uhr

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