Bund will Kolonialgeschichte in Behörden aufarbeiten

Bund will Kolonialgeschichte in Behörden aufarbeiten

Die Bundesregierung will die Rolle Deutschlands als Kolonialmacht weiter aufarbeiten. «Zu oft in unserer Geschichte war die deutsche Diplomatie ohne moralischen Kompass unterwegs. Hierzu zählt auch die Zeit des Kolonialismus», sagte die für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt zuständige Staatsministerin Michelle Müntefering am Mittwoch in Berlin zum Auftakt einer Konferenz zur Geschichte des Kolonialismus.

Staatsministerin Müntefering

© dpa

Michelle Müntefering (SPD), Staatsministerin für internationale Kulturpolitik im Außenministerium.

Die SPD-Politikerin will dazu die Rolle der verschiedenen Behörden und Stellen der Reichsregierung in der Kolonialzeit gezielt über Stipendien aufarbeiten lassen. «Der Kolonialismus war keine Fußnote der Geschichte. Er prägt noch heute das Leben von Milliarden Menschen», sagte Müntefering laut Manuskript. Mit der Digitalisierung sieht sie über Schulbücher hinaus die Chance für neue Zugänge zum Thema etwa über gemeinsame Gespräche von Schulklassen aus Europa und Afrika per Internet.
Das Deutsche Reich war von etwa 1880 bis 1919 Kolonialmacht, von 1884 bis 1915 auch im heutigen Namibia. Dort wurden Aufstände von Volksgruppen brutal niedergeschlagen. Historikern zufolge wurden etwa 65 000 der 80 000 Herero und mindestens 10 000 der 20 000 Nama getötet. Deutschland verweigert bis heute Reparationszahlungen. «Die Verbrechen, die Deutsche in Namibia begangen haben, würde man nach heute geltender Rechtslage als Völkermord bezeichnen», sagte Müntefering. Sie hoffe, dass die Verhandlungen mit Namibia bald zu Ende geführt werden könnten.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 7. Oktober 2020 14:38 Uhr

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