Staatliche Ballettschule: Kündigung des Leiters unwirksam

Staatliche Ballettschule: Kündigung des Leiters unwirksam

Die erste Kündigung des Leiters der Staatlichen Ballettschule in Berlin ist unwirksam. Wie das Arbeitsgericht Berlin am Mittwoch mitteilte, habe das Land bei der außerordentlichen, hilfsweise ordentlichen Kündigung vom 3. Juni 2020 nicht ausreichend dargelegt, welche Vorwürfe ihm konkret zur Last gelegt würden. Außerdem sei die Kündigung nicht fristgemäß erfolgt. Zur Begründung einer Kündigung müssten konkrete persönliche Verfehlungen dargelegt werden. Der Hinweis auf ein Gesamtklima und auf Missstände an der Schule reichten dafür nicht aus, erklärte das Gericht.

Eine Entscheidung über weitere Kündigungen, die Gegenstand eines anderen Verfahrens sind, seien mit dem aktuellen Urteil nicht verbunden, teilte das Gericht weiter mit.
Gleichzeitig wies das Gericht eine Klage des Leiters der Ballettschule auf Beschäftigung zurück. Der Kläger sei nicht für das Lehramt ausgebildet, was aber für die Position zwingend notwendig sei. Obwohl bei seiner Einstellung diese Qualifikation gefehlt habe, könne das Land Berlin nicht gezwungen werden, ihn zu beschäftigen.
Schulleiter und Künstlerischer Leiter der Ballettschule waren im Zuge von Untersuchungen nach zunächst anonymen Vorwürfen vom Dienst freigestellt worden. In Stellungnahmen sprachen sie von «Verleumdungen, Falschbehauptungen und Anschuldigungen», die kursierten. Inzwischen wurden Leitungsposten neu ausgeschrieben.
Klima und Methoden an der Ballettschule sind von Experten in zwei Zwischenberichten heftig kritisiert worden. Eine Clearingstelle geht davon aus, «dass sich Kindeswohlgefährdung durch physische und psychische Misshandlung, emotionale Vernachlässigung, Vernachlässigung der Gesundheitsfürsorge sowie der Fürsorge- und Aufsichtspflicht erkennen lässt». Eine Expertenkommission hatte zuvor eine «Kultur der Angst» an der Schule festgestellt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Mittwoch, 2. September 2020 17:52 Uhr

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