Erste Retrospektive von Michael Schmidt

Erste Retrospektive von Michael Schmidt

Vom Autodidakten zum international gesammelten Fotografen - der Hamburger Bahnhof in Berlin präsentiert in einer Ausstellung erstmals das Gesamtwerk des 2014 gestorbenen Fotografen Michael Schmidt. Die Sonderausstellung «Michael Schmidt – Retrospektive. Fotografien 1965–2014» zeigt von Sonntag (23.8.) an bis zum 17. Januar fast ausschließlich Originalabzüge seiner Arbeiten. Zu sehen sind mehrere Werkgruppen und Einzelfotografien aus den verschiedenen Schaffensperioden. Anschließend soll die Ausstellung nach Paris (2021), Madrid (2021/22) und Wien (2022) gehen.

Retrospektive des Fotografen Michael Schmidt

© dpa

Ein Journalist geht vor Bildern der Serie «Waffenruhe, 1985-87» in der Sonderausstellung «Michael Schmidt – Retrospektive.

Der 1945 geborene Schmidt kam nach abgebrochener Malerlehre über die Berliner Bereitschaftspolizei eher zufällig zur Fotografie. Im Spind eines Kollegen entdeckte er 1965 einen Fotoapparat. Er besorgte sich eine eigene Kamera und brachte sich alles selbst bei. Den Weg durch die unterschiedlichen Phasen zeichnet die von Thomas Weski und der Schmidt-Assistentin Laura Bielau kuratierte Ausstellung nach.
Die frühen Arbeiten zeigen noch einen meist sachlichen, oft dokumentarischen Blick Schmidts auf seine Motive etwa im Berlin der 60er und 70er Jahre. Im Lauf der Entwicklung präsentiert Schmidt nach den Worten Weskis «eher eine Vorstellung von Welt, in der die Darstellung der Welt aber stets auch angelegt ist». Die Motive werden persönlicher, der Blick darauf häufig auf Ausschnitte reduziert. Für Weski geht es Schmidt darum «unsere Wahrnehmung dokumentarischer Bilder zu brechen».
Schmidts künstlerischer Arbeit gilt als Vorbild, das viele Generationen beeinflusst hat. Andreas Gursky etwa, heute international gefeierter Fotograf, war einst Schüler Schmidts.
Die Ausstellung zeigt die Entwicklung anhand von Werkgruppen wie den Berliner Stadtlandschaften oder «Waffenruhe» über die unruhigen, teils perspektivlosen 80er der noch immer geteilten Stadt. «Ein-heit» entstand nach Mauerfall und Einheit in den frühen 1990 Jahren. Die Werkgruppen nehmen - wie bereits bei Schmidt angelegt - in späteren Jahren zunehmend Tableau-Charakter an und bedecken Wandflächen in einer Weise, die das britische Künstlerduo Gilbert & George später ins Gigantische überführen wird.
Mit der Serie «Frauen» zeigt Schmidt Ende der 90er seine Sicht darauf, wie sich zunehmendes Selbstbewusstsein in einem veränderten Verständnis von Körperlichkeit ausdrückt. Mit der jüngsten, bis 2010 reichenden Werkgruppe «Lebensmittel» setzt er sich schließlich in nicht immer zuzuordnenden Ausschnitten und irritierenden Kombinationen mit der für Menschen so wichtigen Ressource auseinander.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 20. August 2020 14:34 Uhr

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