Protestforscher: Abwarten, ob sich Corona-Demobewegung verfestigt

Protestforscher: Abwarten, ob sich Corona-Demobewegung verfestigt

Nach Einschätzung des Protestforschers Peter Ullrich ist unklar, ob die Protestbewegung gegen die Corona-Auflagen Bestand hat.

Anti-Corona-Demo in Berlin

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01.08.2020, Berlin: Tausende ziehen bei der Demonstration gegen Corona-Maßnahmen über die Friedrichstraße. Dazu aufgerufen hat die Initiative «Querdenken 711». Das Motto der Demonstration lautet «Das Ende der Pandemie - Tag der Freiheit».

«Wir haben das jetzt mit einer Bewegung zu tun, die seit einigen Monaten existiert», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Das sei aus Sicht der Protestforschung «kein besonders beeindruckender Befund». Aus Protest gegen die staatlichen Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie waren am Samstag in Berlin Tausende für ein Ende der Auflagen zur Eindämmung der Pandemie auf die Straße gegangen. An einem Demonstrationszug beteiligten sich nach Schätzungen der Polizei bis zu 17 000 Menschen. Etwa 20 000 waren es danach bei einer Kundgebung. Weil viele Demonstranten weder Abstandsregeln einhielten noch Masken trugen, löste die Polizei die Kundgebung auf.

Unterschiedliche Gruppe könnten gemeinsame Basis finden

Es bleibe abzuwarten, ob diese heterogene, spontane Bewegung eine langfristige gemeinsame Basis finde, so Ullrich. Rechte Kader spielten eine wichtige Rolle und bildeten Allianzen mit anderen politischen Milieus. Präsent seien auch Verschwörungsgläubige. Diese unterschiedlichen Gruppen könnten sich bei diesem Thema treffen «in ihrer Wissenschaftsfeindlichkeit, in ihrer Fiktion, dass man selbst den Volkswillen zum Ausdruck bringt».

Ullrich spricht von «extrem rechter Selbstermächtigungsfantasie»

Grundsätzlich merkte Ullrich zu den Demonstrationsteilnehmern an: «Dieses Milieu ist ja dadurch gekennzeichnet, dass es totalen Vertrauensverlust zu sämtlichen gesellschaftlichen Institutionen gibt. Nicht nur staatliche Institutionen, eben auch Wissenschaft, Zivilgesellschaft und so weiter.» Es gebe auch viel Aggressivität gegen Umstehende, Journalisten und Drohungen etwa gegen Polizisten, man werde sie zur Rechenschaft ziehen, wenn die Bewegung die Macht erlangt habe. Ullrich sprach von einer «extrem rechten Selbstermächtigungsfantasie».

Missachtung von Vorsichtsmaßnahmen sei Wasser auf die Mühlen der Protestbewegungen

Ullrich verwies auch auf das, was zu Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft oder der Fleischindustrie und zu Coronavirus-Ausbrüchen in den vergangenen Wochen bekannt geworden sei. Auf den Straßen habe man außerdem den Eindruck, dass sich viele wenig um Vorsichtsmaßnahmen scherten. Es sei Wasser auf die Mühlen solcher Protestbewegungen, wenn diese darauf verweisen könnten, dass das Virus in vielen Bereichen offenbar nicht ernst genommen werde.
Demonstration gegen Corona-Maßnahmen in Berlin
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 4. August 2020 07:36 Uhr

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