Mehr Prüfverfahren wegen Kindeswohlgefährdung

Mehr Prüfverfahren wegen Kindeswohlgefährdung

Die Berliner Jugendämter haben im vergangenen Jahr bei deutlich mehr Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung geprüft als noch 2018. Insgesamt gab es 2019 rund 17 000 Prüfverfahren in der Hauptstadt, 15 Prozent mehr als im Jahr davor.

Schild zum Jugendamt

© dpa

Der Schriftzug «Jugendamt» ist auf einem Schild zu lesen.

In knapp der Hälfte der Fälle lag eine sogenannte akute oder latente Gefährdung vor, wie aus Zahlen des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg vom Dienstag hervorgeht.

654 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen

3236 Kinder und Jugendliche waren den Angaben nach akut gefährdet, das heißt, ihr «körperliches, geistiges oder seelisches Wohl» war bereits erheblich geschädigt oder dies war zu erwarten. In 4554 Fällen gab es nach Einschätzung der Jugendämter eine latente Gefährdung, das heißt, die tatsächliche Kindeswohlgefährdung konnte nicht ausgeschlossen werden. 654 Kinder oder Jugendliche wurden den Zahlen nach in Obhut genommen. Bei rund der Hälfte der gut 9000 Fälle ohne festgestellter Gefährdung sollte die Familie als Ergebnis der Prüfung in der Erziehung unterstützt werden.

Häufigste Kindeswohlgefährdung: Vernachlässigung

Bei den Kindeswohlgefährdungen ging es bei der Hälfte der Fälle um Vernachlässigung, bei jedem vierten Fall um körperliche und bei jedem sechsten Fall um psychische Misshandlungen. 323 Kinder und Jugendliche waren sexueller Gewalt ausgesetzt. In gut einem Viertel der rund 17 000 Prüffälle wurde das Jugendamt von Polizei, Gericht oder Staatsanwaltschaft informiert, in 23 Prozent der Fälle waren es die Kita oder Schule. Nachbarn, Verwandte oder Bekannte meldeten die vermutete Gefährdung in 7 Prozent der Fälle.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 26. Mai 2020 14:17 Uhr

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