Berlins Schulen öffnen weiter: Ruckelfrei klappt das nicht

Berlins Schulen öffnen weiter: Ruckelfrei klappt das nicht

Die Öffnung der Berliner Schulen geht weiter. Nach wochenlanger Unterbrechung kommen seit Montag die ersten, fünften und siebten Klassen zurück. Viele Schulen haben allerdings nicht gleich zum Beginn der Woche losgelegt. Und der Schulalltag ist ganz anders als vor der Schließung Mitte März. Die Klassen werden in der Regel aufgeteilt, die einzelnen Gruppen oft auch zeitlich versetzt unterrichtet. Schulunterricht wie vor der Corona-Pandemie ist nicht mehr oder noch nicht wieder machbar.

Schule

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Ein Stuhl steht in einem Klassenzimmer auf einem Tisch.

«Grundsätzlich ist es wichtig, dass die Schüler wieder zur Schule kommen, insbesondere die Schüler aus bildungsfernen Familien haben in der Corona-Zeit zu Hause bei der Bildung gelitten», sagte Hendrik Nitsch vom Interessenverband Berliner Schulleitungen (IBS) am Montag. «Sie sind oft digital nicht angeschlossen. Wir sind teilweise hingefahren und haben Materialien hingebracht. Aber das ist natürlich ein Riesenakt», sagte Nitsch, der Leiter der Gustav-Freytag-Schule in Reinickendorf und stellvertretender IBS-Vorsitzender ist.
An seiner Integrierten Sekundarschule die vier Jahrgänge von der siebten bis zehnten Klasse nun wieder parallel zu unterrichten, sei nicht zu leisten. «Das geht gar nicht», sagte Nitsch. Die siebten Klassen sollen am Dienstag wieder starten. «Aber nur für eine Stunde pro Tag», sagte Nitsch. «Man wird die Aufgaben besprechen, die zu Hause gemacht wurden und neue Aufgaben geben, aber regulärer täglicher Unterricht wird organisatorisch nicht machbar sein.»
Die Senatsverwaltung für Bildung hat am Montag eine Reihe positiver Rückmeldungen von den Schulleitungen bekommen, nach denen die Stimmung entspannt ist. So sind an einigen Grundschulen die Erstklässler bereits seit Montag wieder dabei, an anderen sollen sie erst im Lauf der Woche zurück sein, beispielsweise am Mittwoch.
«Wie von den Schulleitungsverbänden gewünscht haben wir den Schulen einen Entscheidungsspielraum gegeben, wie sie mit den Schulöffnungen im Detail umgehen. Am Montag hat das bereits gut geklappt», so Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). «Bei vereinzelten Problemen haben wir gemeinsam mit allen Beteiligten schnell eine Lösung gefunden.»
Aus Sicht der Berliner CDU war die Entscheidung des Senats für eine weitere Schulöffnung überhastet. Die Schulen hätten sich auf die Rückkehr der ersten, fünften und siebten Klassen nicht vorbereiten können, sagte der CDU-Bildungsexperte Dirk Stettner. Die Bildungssenatorin habe darüber erst am Mittwochabend per Pressemitteilung informiert. «Das heißt, am Donnerstagmorgen haben die Schulleitungen zu Kenntnis bekommen, wen sie am Montag zu begrüßen haben», kritisierte Stettner. «Ich halte einen Werktag Vorbereitungszeit für eine Unverschämtheit.»
Die CDU-Fraktion hatte Scheeres aufgefordert, sich am Montagmorgen zu Schulbeginn in der Grundschule am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg anzusehen, welche Schwierigkeiten es durch die kurzfristige Rückkehr weiterer Klassen gebe. «Frau Scheeres ist leider nicht erschienen, was ich sehr traurig finde», sagte Stettner.
Schulleiterin Janett Hartig sagte, die Kinder der ersten Klasse würden erst zum Ende der Woche zurückkommen. «Wir können das nicht mit einem Arbeitstag Vorlauf gewährleisten. Für die Eltern ist das auch schwierig.» Seit Montag sind in ihrer Grundschule dagegen die Fünftklässler wieder da, deren Klassen in Gruppen geteilt werden. Fünfte und sechste Klassen fangen zeitversetzt an - und haben dann auch gestaffelt Pausen.
«Aber es ist ein riesen logistischer Aufwand, das hinzubekommen», sagte Hartig. «Wenn Ablösung ist, muss die minutengenau da sein. Das ist superschwer zu organisieren. Da sitzt man schon ein paar Tage dran.» Für die Klassen eins bis vier ist geplant, dass sie ebenfalls aufgeteilt und in 90-Minuten-Blöcken unterrichten werden, zwei- bis dreimal die Woche.
«Für die Eltern ist es total schwierig», räumte Hartig ein. Eine echte Entlastung bringe ihnen das Modell noch nicht. «Die Eltern tun mir unglaublich leid in dieser Zeit. Und ein Ende scheint mir nicht in Sicht zu sein», so die Schulleiterin. «Man muss gucken: Was hilft den Eltern am meisten? Wir brauchen mehr Vorlauf, Konzepte entwickeln zu können.»
Die CDU-Fraktion fordert, den Blick schon auf die Zeit nach den Sommerferien zu richten. «Es gibt keinen Plan, keinen Vorschlag von der Bildungssenatorin, wie wir im nächsten Schuljahr weitermachen sollen», sagte Stettner.
«Wir müssen unsere Lehrerinnen und Lehrer in den großen Ferien digital weiterbilden und den Schülern die Möglichkeit geben, in den Ferien verpassten Lehrinhalt nachzuholen», so der CDU-Bildungsexperte. «Wir haben schon lange vor der Corona-Krise gefordert, die Schulen zu digitalisieren, eine Schulcloud einzurichten, für Endgeräte zu sorgen, für Breitbandanschluss, für WLAN.» All das müsse nun passieren.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 11. Mai 2020 15:43 Uhr

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