Kommission kritisiert «Kultur der Angst» an Ballettschule

Kommission kritisiert «Kultur der Angst» an Ballettschule

An der Staatlichen Ballettschule Berlin herrschte bisher nach Einschätzung einer Expertenkommission eine «Kultur der Angst». Die von Schülerinnen und Schüler erhobenen Vorwürfe ließen sich als «Gefährdung des seelischen und körperlichen Wohles» der Kinder zusammenfassen, sagte der Vorsitzende der Kommission, Klaus Brunswicker, am Montag bei der Vorlage eines Zwischenberichts. «Ein großer Teil der Vorwürfe ist berechtigt.»

Staatliche Ballettschule

© dpa

In einem Ballettsaal der Staatlichen Ballettschule Berlin trainieren junge Mädchen.

Extreme Anforderungen seien verbunden gewesen mit schlechtem Umgang und enormem Druck. Es sei etwas anderes, beleidigt zu werden, als eine harte Ausbildung zu machen, sagte Brunswicker. Zudem habe eine Massierung von Auftritten zur Erschöpfung von Schülerinnen und Schülern geführt. Diszipliniert worden seien sie über die Gefahr, die Schule verlassen zu müssen. Dafür fehle es aber an einem Konzept, was mit den Betroffenen passiere, bemängelte der Kommissionsleiter.
Für die Untersuchung sprachen die sechs Experten bisher in 25 Gesprächen mit 45 schulischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Schülerinnen und Schülern aus den drei Abteilungen der Schule für Ballett, Artistik und Allgemeinbildung.
Gleichzeitig nahm Brunswicker das Kollegium der Ballettschule in Schutz. Es seien vor allem zwei Personen aus dem Lehrkörper, die immer wieder genannt worden seien. «Das ist keine Ansammlung von Finsterlingen, die Kinder quälen», sagte der Schulentwicklungsplaner.
Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) kritisierte eine «Atmosphäre der Angst» in der Ballettschule. Zudem bemängelte sie, die Schule habe kein Kinderschutzkonzept. «Egal in welcher Schule, das Kindeswohl steht immer im Vordergrund», sagte Scheeres. Es solle nun darum gehen, die Schule positiv zu entwickeln.
Der Schulleiter und der Künstlerische Leiter der Ballettschule waren im Zuge der Untersuchungen der zunächst anonymen Vorwürfe vom Dienst freigestellt worden. In Stellungnahmen sprachen sie von «Verleumdungen, Falschbehauptungen und Anschuldigungen», die kursierten. Die beiden leitenden Pädagogen sollen noch von der Kommission befragt werden. Dazu sei bisher kein Termin gefunden worden, hieß es. Inzwischen wurden Leitungsposten an der Schule neu ausgeschrieben. Ihren Abschlussbericht will die Kommission bis zum Herbst vorlegen.
Erste anonyme Vorwürfe waren laut Scheeres im September über das Internet bekannt geworden. Anfang Januar ging in der Verwaltung ebenfalls anonym ein Dossier mit Beschuldigungen ohne Quellen ein. Die Senatsverwaltung verlangte daraufhin eine ausführliche Stellungnahme der Schulleitung und führte Gespräche mit Lehrkräften.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 4. Mai 2020 17:06 Uhr

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